Sport : Sturm in den Untergang

Die Füchse Berlin zollen dem hohen Tempo gegen den THW Kiel Tribut – und verlieren mit 28:36.

Erik Eggers[Kiel]
Was soll ich da noch machen? Silvio Heinevetter, der Torhüter der Füchse, bekam in Kiel kaum einen Ball zu fassen. Foto: dpa
Was soll ich da noch machen? Silvio Heinevetter, der Torhüter der Füchse, bekam in Kiel kaum einen Ball zu fassen. Foto: dpaFoto: dpa

Arthur Abraham war in die Arena nach Kiel gekommen. Der Supermittelgewichtler boxt dort am Sonntag um eine neue WM-Chance. Gestern schaute der Individualist aus Berlin mit seinem Trainer Ulli Wegner allerdings der derzeit wohl besten Handballmannschaft der Welt zu, dem THW Kiel. Und was die Kieler mit den Füchsen Berlin zeitweise veranstalteten, würde Abraham wohl als klassischen K.o.-Sieg bezeichnen. „Sensationell“, sagte Abraham, „das Spiel ist sehr physisch und schnell, und das Publikum erhöht das Adrenalin.“ Am Ende war es mit dem 36:28 (21:15) vor 10 285 Fans mindestens ein klarer Punktsieg für den Rekordmeister, der mit 52:0-Punkten seinen fantastischen Startrekord ausbaute.

Die erste Halbzeit war eine Demonstration modernen Angriffshandballs. Der THW zerlegte die 6:0-Abwehr der Füchse, die in dieser Saison schon so viele Teams beherrscht und am Sonntag beim HSV Handball in der Champions League nur 23 Gegentore zugelassen hatte. Dass die Füchse den Deutschen Meister bei dieser Gelegenheit aus der Champions League geworfen hatten, motivierte die Gastgeber sichtlich, frei nach dem Motto: Denen werden wir mal zeigen, wer die eigentliche Handballmacht in der stärksten Liga der Welt ist.

Die Kieler Stars im Rückraum – Filip Jicha, Daniel Narcisse und Kim Andersson – waren von der Füchse-Abwehr im ersten Abschnitt nie zu stoppen. Speziell Jicha umlief seine Gegenspieler wie Slalomstangen, der Tscheche traf im ersten Abschnitt sechs Mal. Und wenn die Berliner versuchten, die Rückraumschützen aggressiver anzugehen, profitierte davon wiederum Kreisläufer Marcus Ahlm. Die Gäste taten den Kielern allerdings auch einen großen Gefallen, indem sie das brutale Tempo mitgingen. Sie stürmten gewissermaßen in den Untergang.

Die Kieler, angefeuert von ihrem Publikum, das jeden Treffer wie die Deutsche Meisterschaft feierte, führten schnell mit 4:2. Diesen Rückstand konterten die Füchse fix, bis zum 6:5 in der achten Minute blieben sie in Schlagweite. Doch danach baute der THW den Vorsprung kontinuierlich aus. Als Andersson einen unfassbaren Sprungwurf aus zehn Metern ins Tor schmetterte, lagen beim 13:8 (17.) erstmals fünf Tore zwischen den Teams. Torwart Silvio Heinevetter, der in Hamburg noch famos gehalten hatte, saß da bereits auf der Ersatzbank. Als er durch Petr Stochl ersetzt wurde, klatschten die Fans hämischen Beifall.

Die Berliner wurden also in der Abwehr vorgeführt. Zur Halbzeit hatten die Füchse beim 21:15 bereits fast so viele Treffer eingesteckt wie im ganzen Spiel in Hamburg. Dennoch war die Partie noch nicht entschieden – weil die Füchse eine gute Leistung im Angriff zeigten. Speziell Kreisläufer Torsten Laen hatte gute Szenen, aber auch Sven-Sören Christophersen bestätigte seine hervorragende Form der letzten Monate. Laen und Christophersen verkürzten nach der Pause schnell auf 21:17 (31.). Zwar vergab Laen danach einen Tempogegenstoß gegen Torwart Thierry Omeyer. Doch als der THW viermal nur das Holz traf, schnupperten die kampfstarken Gäste an einem spektakulären Comeback. Doch der THW ist nicht der HSV, die Kieler wurden nicht nervös. Als Jicha mit drei Treffern auf 27:21 (44.) erhöhte, Omeyer einige Bälle hielt und Füchse-Coach Dagur Sigurdsson wegen Meckerns eine Zeitstrafe kassierte, da ahnte auch der letzte Füchse-Anhänger, dass ein Sieg nicht mehr möglich sein würde in dieser Festung des Handballs, in der die Berliner noch nie ein Spiel gewinnen konnten.

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