Sport : Sturm ohne Wirkung

Will Hertha heute in Duisburg aus der Krise kommen, müssen die Angreifer endlich wieder treffen

Mathias Klappenbach,Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Es ist der schwächste Angriff der Bundesliga. Zumindest, wenn es nach den Zahlen geht. Gerade einmal 21 Tore hat der MSV Duisburg in den 22 Spielen dieser Bundesligasaison erzielt. Aber Sorgen im Sturm hat der Tabellenvorletzte nicht mehr als in den anderen Mannschaftsteilen. Klemen Lavric, Markus Kurth und der gerade von einer Verletzung genesene Abdelaziz Ahanhouf treffen ab und zu. Die drei Duisburger Stürmer haben zusammen mehr Treffer (zehn) erzielt als die Angreifer von Hertha BSC, obwohl die Berliner insgesamt zehn Tore mehr geschossen haben als die Duisburger. Herthas Stürmer waren insgesamt nur sieben Mal erfolgreich. Viermal hat Marko Pantelic in den ersten Wochen nach seiner Verpflichtung getroffen, dreimal Nando Rafael, der in der Winterpause zu Borussia Mönchengladbach gewechselt ist. Das letze Stürmer-Tor für Hertha erzielte Rafael am zwölften Spieltag beim 3:0 im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Die geringe Trefferquote der Hertha-Stürmer liegt zum einen darin begründet, dass die Berliner meist mit nur einer Spitze gespielt haben. Weil die torgefährlichen Mittelfeldspieler aber auch nicht mehr treffen und wegen der vielen Verletzten oder gesperrten Spieler hat Herthas Trainer Falko Götz sein System im letzten Heimspiel gegen Schalke 04 auf zwei Stürmer umgestellt. Diese werden heute beim MSV Duisburg (17.30 Uhr) Vaclav Sverkos und Solomon Okoronkwo heißen, Pantelic ist wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Ihre Bilanz bisher: null Tore. Der 18-jährige Okoronkwo stand noch in keinem Spiel 90 Minuten lang auf dem Platz, die fehlende Erfahrung ist ihm in vielen Zweikämpfen anzumerken. Zu ungeduldig rennt der Nigerianer, der in der vergangenen Saison zwar schon bei Hertha mittrainiert hat, aber noch nicht spielberechtigt war, seinem ersten Bundesligator hinterher. „Solomon braucht Spielpraxis, damit er sich entwickeln kann“, hatte Götz schon gesagt, kurz bevor Nando Rafael den Verein verließ. Nun muss sich Okoronkwo aber in einer Mannschaft zurechtfinden, die seit elf Pflichtspielen nicht gewonnen hat und eine ansprechende erste Halbzeit wie bei der 0:2-Niederlage im Uefa-Cup am Donnerstag bei Rapid Bukarest als einen Schritt aus der Krise deutet.

Dieser Schritt kann aber nur ein Sieg in Duisburg sein, und ein Tor eines Stürmers wäre dabei wohl noch mehr wert als das, was auf der Anzeigetafel stehen wird.

Auch Nottransfer Vaclav Sverkos hat noch nicht für Hertha getroffen. Eigentlich stand der Tscheche schon halb beim heutigen Gegner unter Vertrag, bevor er wenige Stunden vor dem Schließen der Transferliste von den Berlinern für ein halbes Jahr ausgeliehen wurde. Schon zehn Tage vor seinem Wechsel nach Berlin hatte der 22-Jährige verkündet, dass er nach Duisburg geht. „Wenn es Pfiffe gegen mich gibt, dann motiviert mich das nur noch mehr“, sagt der Tscheche. „Ich bin hier in Berlin zufrieden.“

Sverkos wohnt im Hotel, eine Kaufoption hat Hertha nicht. Für die Berliner hat sich die Verpflichtung noch nicht gelohnt, dafür aber wohl für Sverkos persönlich. Tschechiens Nationaltrainer Karel Brückner hat den Stürmer in das Aufgebot für das Länderspiel gegen die Türkei in der kommenden Woche berufen. „Dafür war es bestimmt von Vorteil, dass ich in Berlin und nicht in Duisburg spiele,“ sagt Sverkos. „Falko Götz hat nach dem Spiel gegen Bukarest zu mir gesagt, dass es nicht schlecht war und ich so weitermachen soll.“

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