Sport : Sturm und Zwang

Novakovic und Podolski mochten sich lange nicht, nun bilden sie eine Kölner Schicksalsgemeinschaft

Richard Leipold[Köln]
Neue Harmonie. Novakovic (r.) schoss drei Tore, zwei bereitete Podolski vor. Foto: dapd
Neue Harmonie. Novakovic (r.) schoss drei Tore, zwei bereitete Podolski vor. Foto: dapdFoto: dapd

Milivoje Novakovic gilt als Fußballsöldner. Viele Fans des 1. FC Köln hatten schon daran gezweifelt, ob der zuweilen kapriziöse Slowene sich so für den Klub einsetzt, wie es sich gehört. Nach dem 3:2 über den Hamburger SV nahmen sie den Stürmer in Ehren wieder in die Gemeinschaft auf. Novakovic wurde gefeiert und vielleicht sogar ein wenig geliebt, als der Schlussapplaus über ihn hereinprasselte. Die passenden Worte dazu fand ein Arbeitskollege, mit dem er sich lange Zeit nicht gut verstanden hatte. „Nova ist ein Kölner“, sprach Lukas Podolski, als würde er kraft seines Amtes als Fußballprinz eine amtlich geprüfte Adoption verkünden.

Novakovic hatte es den Kölnern an diesem Nachmittag leicht gemacht, ihn wieder zu mögen. Er rief sich als Torjäger in Erinnerung, der Spiele entscheiden kann. Gegen Hamburg gelangen ihm alle drei Treffer für Köln. Zweimal war ihm Podolski auf dem Weg zum Ziel behilflich. Was sich bei der Pokalpartie gegen den TSV München 1860 schon gezeigt hatte, verfestigte sich drei Tage später in der Bundesliga: Die beiden verbindet neuerdings eine gewisse Harmonie, zumindest auf dem Fußballplatz. „Vorher haben wir nicht zusammengespielt, jetzt spielen wir zusammen“, sagt Podolski. Klingt einfach, war es aber lange Zeit nicht. Mit Podolskis Rückkehr aus München begann der Abstieg Novakovics, dessen Tore ein entscheidender Beitrag zum Wiederaufstieg des FC und dann zum Klassenverbleib waren. Dann verlor Novakovic das Kapitänsamt, sank nach und nach in der Hierarchie und wurde schließlich zur Ersatzkraft. Der Angreifer schien die Lust auf Fußball verloren zu haben, jedenfalls in Köln. „Ich war es nicht gewohnt, auf der Bank zu sitzen, und habe darüber nachgedacht, den Verein in der Winterpause zu verlassen“, sagt er. Trost fand er nur bei der slowenischen Nationalmannschaft, mit der er sich sogar für die Weltmeisterschaft qualifizierte. Der Widerspruch zwischen dem Kölner Alltag und dem Ausnahmezustand auf internationalem Niveau verband ihn mit Podolski, der sich in Köln auch nur herumquälte, den sein Sonderstatus aber vor der Ersatzbank bewahrte.

Misserfolg im Verein, Erfolg in der Nationalelf und die damit verbundenen Stimmungsschwankungen machten zwei Männer, die sich nicht mochten, zu einer Schicksalsgemeinschaft. Vermutlich hat ihnen nur jemand gefehlt, der ihnen klarmacht, dass sie mehr verbindet als trennt, wenn sie es nur wollen – und wenn der Trainer ein System wählt, das dieser Allianz eine Chance gibt. Grundsätzlich passen die beiden gut zusammen, weil sie ihre Angriffslust unterschiedlich ausleben: Novakovic als Strafraumstürmer, der sich nach Vollstreckungsaufträgen sehnt, Podolski als Hintermann, der mit Anlauf aus der Tiefe kommt, um seine großartige Schusstechnik zur Geltung zu bringen.

Den beiden ungleichen und gerade deshalb zueinander passenden Partnern hatte nur jemand gefehlt, der ihnen bewusst macht, warum es besser für sie ist, miteinander zu arbeiten als neben- oder gegeneinander. Hier kommt Frank Schaefer, der neue Trainer, ins Spiel. Der Urkölner, seit einer Ewigkeit im Verein, hat mit seinen beiden Stürmern gesprochen, auch unter sechs Augen, und sie zu einer professionellen Partnerschaft animiert, mit Argumenten, die auf der Hand liegen, aber mit Arbeit verbunden sind. Auch deshalb darf Interimslösung Schaefer vorerst als Cheftrainer weitermachen. Als Spielertypen „ergänzen sich die beiden nahezu perfekt“, sagt Schaefer. „Voraussetzung ist aber, dass sie laufen ohne Ende und dass sie sich suchen.“ Wie es scheint, fangen sie nun auch an, sich zu finden.

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