Sport : Sturmlos glücklich?

Bei Hertha BSC müssen sich die vorhandenen Spieler verbessern, um einen Uefa-Cup-Platz zu erreichen

Ingo Schmidt-Tychsen

Wer hat das Sagen im Verein? Dieter Hoeneß. Bei allen wichtigen Entscheidungen hat er das letzte Wort – auch bei den Spielertransfers. Seit 1997 leitet Hoeneß den Klub als Manager. Der 52-Jährige ist bislang vor allem deshalb so unumstritten, weil er aus einem besseren Zweitliga-Verein einen guten Erstligisten gemacht hat.

Was hat sich verbessert? Noch nicht viel. Einzig im ohnehin schon gut besetzten Mittelfeld haben sich die Berliner ernsthaft verstärkt. Ellery Cairo kam für 175 000 Euro vom SC Freiburg und kann auf der rechten Seite mit seiner Schnelligkeit Druck nach vorn ausüben. Im Sturm hatte Hertha in der vorigen Saison die größten Probleme. Verpflichtet haben die Berliner aber noch niemanden für diese Position. „Wir haben noch zwei Pfeile im Köcher“, sagt Hoeneß, betont aber auch, dass er nicht unbedingt einen neuen Angreifer holen werde. Unabhängig davon werden sich die vorhandenen Spieler verbessern müssen, um einen Uefa-Cup-Platz zu erreichen.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Ziemlich sicher. Vor einem Jahr übernahm Götz den Klub nach einer katastrophalen Saison, die beinahe mit dem Abstieg geendet hätte, und führte ihn in den Uefa-Cup. Götz hat der Mannschaft Selbstvertrauen zurückgegeben. Die Zuschauer würden bei schlechten Ergebnissen wohl als letztes den Rauswurf des Trainers fordern. Zudem hat Götz ein sehr gutes Verhältnis zu dem Mann, der über seinen Rauswurf zu entscheiden hätte. Eine ernsthafte Meinungsverschiedenheit zwischen Manager Hoeneß und Götz ist noch nicht öffentlich geworden.

Welche Taktik ist zu erwarten? Dieselbe wie im vergangenen Jahr – sollten sich die Berliner im Angriff nicht mehr verstärken. 4-5-1 ist das System, das Götz in der vergangenen Saison fast immer gespielt hat. Aus dem Überangebot von starken Spielern im Mittelfeld und dem schwachen Sturm ist diese Taktik beinahe eine logische Konsequenz.

Welche Platzierung ist möglich? In diesem Jahr müsse Hertha gut in die Saison starten, sagt Götz. „Die Mannschaft lebt von ihrem Selbstbewusstsein.“ Hertha spielt zuerst am kommenden Samstag bei Hannover, empfängt Frankfurt, spielt dann bei Bayern München und gegen Wolfsburg zu Hause. Auf den am Ellbogen verletzten Stammtorwart Christian Fiedler müssen die Berliner mindestens in den ersten drei Spielen verzichten. Gelingt Hertha dennoch ein guter Start, dann ist ein Uefa-Cup-Platz möglich – das selbst formulierte Saisonziel der Berliner.

Wer sind die Stars? Seit Gilberto mit Brasilien den Confed-Cup gewonnen hat, tritt der 29-Jährige deutlich selbstbewusster auf. Nachdem Gilberto seinen Heimaturlaub in Brasilien eigenmächtig um drei Tage verlängert hatte, befand er es erst nach seiner Rückkehr für nötig, den Verein über die Gründe für seine Verspätung zu informieren. Hinter Marcelinho ist Gilberto der zweite Star bei Hertha. Ähnlich wie Marcelinho wird er seine Sonderposition innerhalb der Mannschaft durch Leistung legitimieren müssen.

Wer hat noch Chancen auf die WM? Aus deutscher Sicht nur Arne Friedrich. Der Verteidiger ist in der Mannschaft von Jürgen Klinsmann wohl gesetzt. Gilberto wird mit großer Sicherheit für die Nationalmannschaft Brasiliens nominiert. Ob er auch spielen wird, ist fraglich. Roberto Carlos ist auf der linken Abwehrseite wahrscheinlich die erste Wahl des Trainers Carlos Alberto Parreira.

Wie sind die Fans? Launisch. Wenn Hertha gut spielt, dann machen die Zuschauer ihre Mannschaft durch lautstarke Unterstützung noch besser. Wenn Hertha aber erfolglos und unansehnlich kickt, dann kann die Stimmung schnell kippen. Im vergangenen Jahr lag der Zuschauerschnitt bei 43 517. „In dieser Saison ist es unser Ziel einen Schnitt von mehr als 50 000 zu erzielen“, sagt Hoeneß. Auch in diesem Bereich wird vieles vom Erfolg der Berliner in den ersten Spielen abhängen.

Die gesamte Serie im Internet:

www.tagesspiegel.de/bundesligatest

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