Sport : Sturmlos unterlegen

In der Champions League verliert der FC Bayern München in Turin 1:2 und damit die Tabellenführung

Günter Klein[Turin]

Kurz nachdem Roy Makaay seine 1000. torlose Spielminute absolviert hatte, schoss er aufs Tor. Der Schuss des Stürmer des FC Bayern München ging eineinhalb Meter am Tor vorbei. Das Champions-League-Spiel der Gruppe A bei Juventus Turin war noch jung, gerade einmal zehn Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt. Doch die 16 076 Zuschauer im Stadion Delle Alpi konnten bis auf die Ränge die Unsicherheit im Torabschluss des Holländers spüren. Es ist nicht seine beste Zeit, die Roy Makaay momentan durchlebt. Seit August hat er kein Tor mehr erzielt. Auch gestern traf er nicht. Auf Dauer aber und vor allem gegen internationale Topmannschaften fehlt dem deutschen Rekordmeister ein echter Torjäger. So verloren die Bayern in Turin nach zwei Toren von David Trezeguet mit 1:2 (0:0). Den zwischenzeitlich Ausgleich hatte Sebastian Deisler erzielt.

Nach dem 2:1-Erfolg im Hinspiel in München hätte dem FC Bayern ein Unentschieden in Turin gereicht, um im direkten Vergleich den Vorteil bei sich zu haben. Für das Erreichen des Achtelfinals benötigt der Deutsche Meister nun im nächsten Heimspiel am 22. November gegen Rapid Wien einen Sieg.

Trotz der andauernden Torlosigkeit Makaays hatte Felix Magath an seinem Stürmer festgehalten. Besonders viel Alternativen hat er auch nicht. Gestern erst teilte der Verein mit, dass der Stürmer Roque Santa Cruz sich in den USA am Knie operieren lassen muss. Neben Makaay stürmte in Turin Claudio Pizarro. Und der war es auch, der in der ersten Halbzeit die beiden einzigen Torchancen der Bayern hatte. Jeweils nach Freistößen von Sebastian Deisler köpfte Pizarro aufs Tor von Abbiati, der im Hinspiel einen nicht sonderlich starken Eindruck hinterlassen hatte. Diesmal aber konnte er beide Kopfbälle parieren.

Juventus Turin startete gut. In der Anfangsviertelstunde boten sich Trezeguet zwei Einschussmöglichkeiten. Einmal faustete Oliver Kahn den Ball ins Spielfeld zurück, der zweite Schuss landete neben dem Tor. Der Turiner Trainer Fabio Capello hatte im Vergleich zum Hinspiel seine Mannschaft auf vier Positionen verändert. Überraschenderweise blieb Juves Superstar Nedved zunächst auf der Bank, mit Beginn der zweiten Hälfte aber kam auch der Tscheche zum Zug. Trainer Capello hatte einsehen müssen, dass seine Mannschaft in Juves 100. Champions-League-Spiel relativ wenig Druck auf das Tor der Bayern entwickeln konnte.

Die Münchner investierten sehr viel, vor allem um das Spiel der Italiener zu unterbinden. Die Bayern gewannen mehr Zweikämpfe und standen in der Abwehr um Lucio recht sicher. Viele eigene Torchancen aber konnten sie sich bis zum Halbzeitpfiff auch nicht erspielen. Spielmacher Michael Ballack wurde von meistens zwei Gegenspielern früh und hart attackiert, und an Makaay lief das Spiel im Wesentlichen vorbei.

Mit der Hereinnahme Nedveds wurde Juve variabler und druckvoller. Nach einer Stunde war es so weit. Ibrahimovic brachte mit einem Pass Nedved ins Spiel, der zwei Bayern auf sich zog. So stand Trezeguet frei, der den Ball für Kahn unhaltbar ins Tor schoss. Das aber weckte den Ehrgeiz der Bayern. Durch einen Freistoß kamen die Bayern nur drei Minuten später zum Ausgleich. Der Schuss von Deisler aus fast 40 Metern Entfernung, der als Flanke gedacht war, flog unhaltbar ins lange Toreck. Schon im Hinspiel hatte der Mittelfeldspieler ein Tor erzielt. Anschließend verflachte das Spiel etwas. Juventus bleib in der Schlussphase bemühter. Doch die Angriffe der Turiner konnten die Bayern abwehren. Bis fünf Minuten vor dem Abpfiff. Wieder war es der Franzose Trezeguet, der einen Stellungsfehler in der Münchner Abwehr ausnutzte und die erneute Führung erzielte. Dann hatten es die Bayern eilig. Magath nahm Makaay und Demichelis vom Feld, Scholl und Guerrero kamen. Schließlich sah Ibrahimovic auch noch die Gelb-Rote Karte. Doch die Bayern konnten daraus keinen Profit schlagen.

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