Sturmprobleme : Hertha harmlos

Willens, aber ohne Fortune: Andre Lima und Solomon Okoronkwo sind keine adäquaten Alternativen zu Torjäger Marko Pantelic.

Michael Rosentritt
Okoronkwo
Okoronkwo konnte seine Chance nicht nutzen. -Foto: ddp

BerlinAndre Lima trotzte gestern dem Nieselregen. Lange nach Abschluss des sonntäglichen Auslaufens übte Herthas brasilianischer Stürmer sich im Torabschluss - mit wechselhaftem Erfolg. Sein Einsatz tags zuvor beim 0:0 in Rostock war alles andere als eine Bewerbung in eigener Sache. In der zweiten Halbzeit war Lima für den ebenso erfolglosen Solomon Okoronkwo gekommen. „Wir hätten mehr Torchancen haben können“, sagte Trainer Lucien Favre, „aber dafür waren die Laufwege und der letzte Pass nicht gut genug.“ Er hätte aber auch sagen können, dass die beiden Ersatzstürmer für Marko Pantelic nicht gut genug waren.

Während Lima, der in elf Spielen erst ein Tor erzielen konnte, im Regen unbeirrt an sich arbeitete, versuchte Favre seinen harmlosen B-Sturm in Schutz zu nehmen. Lima und Okoronkwo hätten es nicht einfach, weil sie hinter Herthas Topstürmer Pantelic selten zum Einsatz kommen. Da sowohl der Brasilianer Lima als auch der Nigerianer Okoronkwo nicht bei den Amateuren eingesetzt werden können, fehle ihnen Spielpraxis. In Rostock waren beide auch nur deshalb zum Einsatz gekommen, weil sich Pantelic kurz vor dem Spiel verletzt abgemeldet hatte. Eine Zyste in der linken Wade macht dem Serben seit Tagen schon zu schaffen, dieses Mal halfen selbst Schmerztabletten nichts.

Dass Hertha im Sturmzentrum keine adäquate Alternative zu Pantelic hat, war nicht erst in Rostock zu sehen. Auf die Frage, ob der Mannschaft Pantelic’ Torgefährlichkeit nicht fehle, antwortete Favre gereizt. „Wir haben in Wolfsburg auch kein Tor geschossen mit Marko“, sagte der Schweizer: „Es ist mir zu einfach zu sagen, mit Marko sind wir besser. Es bringt nichts über einen zu sprechen, der verletzt ist und nicht gespielt hat.“

Beim Berliner Bundesligisten gehen die Meinungen über den Wert Pantelic’ deutlich auseinander. Während Manager Dieter Hoeneß „sehr gern“ den im Sommer 2009 auslaufenden Vertrag mit dem Serben verlängern würde, ist das Verhältnis zwischen dem Stürmer und dem Trainer nicht gerade von ausgeprägter Herzlichkeit gekennzeichnet. Öffentlich hält sich Favre weitgehend mit Kritik am Serben zurück. Intern spricht er Mängel an. Pantelic spiele wie eine Ich-AG, er wolle zu sehr selbst gut aussehen, er arbeite zu wenig für die Mannschaft. Zudem hält Favre den 29-Jährigen nur bedingt für gruppentauglich. Am meisten aber nerven den Trainer die Auszeiten, die sich Pantelic nach Spielen gern selbst verordnet und somit Trainingseinheiten mit der Mannschaft versäumt.

Die Zahlen aber sprechen für Marko Pantelic. In dieser Saison ist er mit elf Toren erneut Herthas erfolgreichster Torschütze. Insgesamt erzielte er 36 Tore in 82 Bundesligaspielen – keine ganz so schlechte Ausbeute. Auch deshalb würde Hoeneß mit dem Serben gern verlängern, obgleich er weiß, dass der „kein einfacher Charakter“ ist. In der vergangenen Woche hat es zwischen Hoeneß und dem Anwalt des Stürmers erneut ein Gespräch gegeben. Pantelic ist nicht abgeneigt, einen langfristigen Vertrag bei den Berlinern zu unterzeichnen, fordert aber eine deutliche Aufbesserung seines Gehalts. Mit rund 1,6 Millionen Euro per anno ist der Torjäger weit entfernt von den beiden Spitzenverdienern Arne Friedrich und Josip Simunic, die teilweise das Doppelte verdienen. Allerdings schweben Pantelic Summen vor – von vier Millionen Euro jährlich ist die Rede – die Hertha keinesfalls zu bezahlen bereit ist.

Dieter Hoeneß wird Pantelic nicht um jeden Preis halten wollen. In diesem Sommer könnte man den Serben auch für eine Ablösesumme ziehen lassen. Nur müsste sich auf dem Markt einer finden lassen, der bezahlbar ist und Tore schießt. Im Etat für die kommende Saison sind neun Millionen Euro für Transfers vorgesehen. Trainer Favre wäre vermutlich der Letzte, der sich gegen einen Verkauf Pantelic’ sperren würde.

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