Sport : Sturz ins Ungewisse

Favorit Alberto Contador verliert bei der Tour Zeit

Schattenfahrer. Alberto Contador kommt bei der Tour nicht auf Touren. Foto: dapd
Schattenfahrer. Alberto Contador kommt bei der Tour nicht auf Touren. Foto: dapdFoto: dapd

Les Essarts - Erst bohrende Fragen der Medien, dann schmerzende Pfiffe des Publikums und zu guter Letzt noch der Sturz auf der ersten Etappe: Schlechter hätte die 98. Tour de France für den Topfavoriten Alberto Contador nicht beginnen können. Schon zum Auftakt verlor der Spanier auf seine Herausforderer, angeführt von Andy Schleck, mehr als eine Minute. Der Luxemburger gab seinem Rivalen nach dessen Fehlstart gleich noch einen mit. „Auch schon vor dem Sturz schien Alberto nicht auf der Höhe des Geschehens zu sein“, sagte Schleck am Abend im gemeinsamen Hotel „Aloé“, in dem die extra mitgereisten Team-Köche von Saxo-Bank und Leopard-Trek um die Wette kochten.

Contadors Teamchef Bjarne Riis versuchte, das Drama herunterzuspielen, aber seine Miene verriet alles andere als Gelassenheit. „Wir machen jetzt keine Fehleranalyse und haken das unter Pech ab“, sagte der Däne. Contador war zusammen mit 45 Fahrern gestürzt, nachdem sein früherer Team-Kollege Maxim Iglinskiy eine Zuschauerin touchiert und einen Sturz im Domino-Effekt ausgelöst hatte. Contador analysierte sein Missgeschick schnörkellos: „Dieser Rückstand gegen die direkten Konkurrenten wird schwer aufzuholen sein.“ Die Frau, die den Unfall auslöste, trug im Übrigen ein wallendes Kleid in der Tour-Farbe und wurde vom Fachblatt „L'Équipe“ am Sonntag in einem Artikel als „Dame in Gelb“ bedacht.

Contador, der sich nach der Tour im August wegen seines positiven Dopingtests aus dem Vorjahr vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas verantworten muss, wirkt angeschlagen. Die Perspektiven vor dem Mannschaftszeitfahren auf der zweiten Etappe (nach Redaktionsschluss beendet) waren düster: Sein bevorzugtes Terrain – die Berge – wird erst in der zweiten Tourhälfte erreicht, und auf den kommenden Etappen könnte Contador weiterer Zeitverlust drohen. Nach dem Massensturz, bei dem sich der Spanier 8,8 Kilometer vor dem Ziel in Les Herbiers nicht verletzte, nur eben entscheidend aufgehalten wurde, hatte die Tour-Regie noch einen Schluss-Akkord parat: Contador passierte die Ziellinie in Herbiers vor Andy Schleck, verlor aber dennoch 1:14. Der Luxemburger war 2,3 Kilometer vor dem Ziel in einen zweiten Sturz verwickelt gewesen, konnte aber danach gemächlich austrudeln, weil die „Drei-Kilometer-Regel“ angewendet wurde. Sie besagt, dass Gestürzte in diesem Abschnitt mit der Zeit der Hauptgruppe gewertet werden. Das waren am Samstag 68 Fahrer, inklusive aller Favoriten – außer Contador, der so weit hinten im Feld fuhr, wie keiner seiner direkten Konkurrenten. dpa

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