Sport : Sturz von der Spitze

Felix Meininghaus

Was hat Klaus Toppmöller da nur wieder geritten? Gift und Galle hat er vor dem Bundeligagipfel gegen Borussia Dortmund versprüht. "Die investieren zig Millionen in Ewerthon, Amoroso und Koller", grantelte der Trainer von Bayer 04 Leverkusen vor der Partie gegen Borussia Dortmund, "und dann reden sie davon, dass sie nur in den Uefa-Cup wollen. So werden die Leute für dumm verkauft." Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Eigentlich ist man solche starken Worte von Toppmöller gar nicht mehr gewohnt. In seiner Frankfurter Zeit hat er sich mit seinem legendären "Bye, bye, Bayern" einmal nach Kräften blamiert, und seitdem sagt er immer wieder, er sei aus Schaden klug geworden und werde sich nicht mehr despektiertlich über die Konkurrenz äußern. Inhaltlich schrammte Toppmöller mit seinem Vorstoß haarscharf an der Realität vorbei. Denn nach der Winterpause haben sich in Dortmund vom Präsidenten bis zum Platzwart alle zum Titel bekannt. Wahrscheinlich wollte Toppmöller bloß seine Spieler puschen, damit sie nichht wieder so hasenfüßig ins Spiel gehen wie zuletzt bei den Bayern. Wenn das seine Intention war, ist der Plan voll aufgegangen: 4:0 (1:0) gewann der Zweite, Bayer, gegen den Ersten, Dortmund, und übernahm mit diesem spektakulären Auftritt selbst die Tabellenspitze.

Dabei hatte das Spiel für den BVB gar nicht so schlecht angefangen. Nach gefälligem Beginn gelang dem Brasilianer Ewerthon in der zehn Minute der Führungstreffer, dem Schiedsrichter Helmut Fleischer allerdings die Anerkennung verweigerte - ein Fehler, denn nicht Ewerthon, sondern sein Kollege Amoroso befand sich im Abseits. So ging Bayer nach gut einer halben Stunde durch Nationalspieler Michael Ballack in Führung. Das Tor weckte beim Herausforderer aus Leverkusen die pure Spielfreude. Yildiray Bastürk, Ballack und Ulf Kirsten hätten die ihr bis zur Pause noch weit höher in Führung schießen können.

Das Versäumte holten die Gastgeber kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit nach: Carsten Ramelow erzielte per Kopf das 2:0. Dortmunds Torhüter Jens Lehmann sah bei seinem Abwehrversuch nicht besonders glücklich aus. Zwei Minuten später musste auch noch Jan Koller nach einer Gelb-Roten Karte den Platz verlassen. Die Entscheidung war korrekt, auch wenn die Dortmunder wie so oft den Schiedsrichter bestürmten und sich wüst beschwerten. Koller trat auf dem Weg in die Kabine gegen eine Werbebande und verabschiedete sich mit einer unflätigen Handbewegung von den Zuschauern auf der Ehrentribüne.

Nach Kollers Abgang brach das Unheil über den BVB herein. "Danach war das Spiel gelaufen", sagte Dortmunds Trainer Matthias Sammer. "Mit zehn Mann sind wir ausgespielt worden", sagte Sebastian Kehl. Derweil freute sich Leverkusens Manager Reiner Calmund darüber, "wie wir Spiel, Ball und Gegner beherrscht haben". Tatsächlich war das, was nun folgte, eine eindrucksvolle Demonstration der Stärke: Leverkusen spielte seinen überforderten Gegner an die Wand. Es hätten noch weitaus mehr Tore fallen können als die von Nationalstürmer Oliver Neuville und Dimitar Berbatow. "Wir sind auseinander gebrochen", sagte Sammer, "als Klassemannschaft bleibt man kompakt stehen."

Gerade die beiden letzten Gegentreffer hätten ihn "maßlos geärgert. Das kreide ich der Mannschaft an." Dagegen sah man bei den Leverkusenern nur strahlende Gesichter. Kapitän Jens Nowotny hofft, "dass es uns gelingt, diese Euphorie mit in die nächsten Spiele zu nehmen". Michael Ballack will "jetzt auch mal auswärts was holen, da hat es zuletzt etwas gehapert. Und Toppmöller sah gestern Abend nicht nur seine Mannschaft "großartig spielen", sondern auch den Sinn für seine Verbalattacken vor der Begegnung bestätigt: "Mir war die ganze Atmosphäre vor dem Spiel zu ruhig. Alles war im Olympiafieber, und dabei wäre das Spitzenspiel in der Bundesliga fast vergessen worden."

Nun ist Bayer vorn, aber noch längst nicht am Ziel: "Wir werden diesen Rückschlag wegstecken", sagte Sammer. "Nächste Woche machen wir es besser", verkündete Dortmunds Neuzugang Sebastian Kehl. Klaus Toppmöller, der Stratege, wollte nach dem Triumph einfach nur zur Tagesordnung übergehen. Seine Devise: "Mund abputzen, am Mittwoch haben wir schon weider ein schweres Spiel in London." Freuen können sie sich vielleicht später.

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