Stuttgart - Bremen 1:4 : VfB verliert tragisch, die Fans reagieren klassisch

Der VfB Stuttgart verliert auch gegen den SV Werder Bremen mit 1:4. "Vorstand-raus", rufen die Fans. Und auch: "Bruno raus!" Dabei hat Trainer Labbadia gerade erst verlängert.

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Wieder nichts: Der Stuttgarter Gotoku Sakai ärgert sich über eine vergebene Torchance.
Wieder nichts: Der Stuttgarter Gotoku Sakai ärgert sich über eine vergebene Torchance.Foto: dpa

Stuttgart - Was die Fans des VfB Stuttgart von dem Spiel hielten, war nicht zu überhören. Als die Stuttgarter Spieler pflichtschuldig mit gesenkten Köpfen vor die Cannstatter Kurve trotteten, schlugen ihnen Pfiffe und manch unflätiger Spruch entgegen. Die Fans spulten das in Krisenzeiten übliche Repertoire ab: Von „Wir haben die Schnauze voll“ über „Wir wollen euch kämpfen sehen“ bis zu „Bruno raus“ und „Stuttgart retten, Vorstand abwählen“.

Die Stuttgarter Profis ertrugen die Abstrafung nach dem 1:4 (0:1) gegen Werder Bremen ebenso regungslos wie Cheftrainer Bruno Labbadia, der erst vor wenigen Tagen seinen Vertrag bis 2015 verlängerte. Was, außer ratlos zu schweigen, hätten sie auch tun sollen? Es spricht nach der fünften Niederlage in Folge nur wenig für den VfB aus Stuttgart. Die Torbilanz weist die Abwehr sogar als zweitschlechteste der Liga aus.

Mancher aus dem Stuttgarter Lager entschied sich zur Gegenattacke. „Wollt ihr nicht mal Fragen stellen oder sind alle tot?“, raunzte VfB-Manager Fredi Bobic die Journalisten an, als er für sein Gefühl etwas zu lange warten musste. Das Gespräch drehte sich nach den zwei Toren von Mehmet Ekici und den Treffern von Aron Hunt und Kevin de Bruyne sowie dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Ibrahima Traore dann zügig um einen erfahrenen Mann. Der dänische Nationalspieler William Kvist, der vor dem 1:2 den Ball vor dem Strafraum verloren hatte, steht beispielhaft für ein fundamentales Problem des VfB: die Versäumnisse der Führungsspieler. Vor der Partie hatte Martin Harnik noch versichert, man kenne sich aus in Stuttgart mit Krisen und sei deshalb zuversichtlich.

Die Krisenerfahrung half allenfalls, um 20 Minuten lang Spiel und Gegner zu kontrollieren. Der VfB gab erst zwei Chancen und dann die Kontrolle aus der Hand. „Das Selbstvertrauen ist nicht da, das wird ein harter Weg“, klagte VfB-Manager Fredi Bobic. „Es ist so: Du liegst im Dreck und musst dich da raussuhlen. Aber die Negativspirale ist schwer zu stoppen, wenn du in einer solchen Lage bist.“ Man müsse nun so schnell wie möglich 40 Punkte sammeln. „Wir dürfen den Abstand nach unten nicht zu klein werden lassen“, sagte Christian Gentner.

Für Werder bedeutete das 4:1 von Stuttgart nach dem 2:0 über Hannover den zweiten Sieg in Folge. „Ich bin froh, dass wir das Selbstvertrauen hatten, immer wieder weiter zu machen. Nach dem 1:1 stand da ein großes Fragezeichen, wohin das heute geht“, sagte Bremens Trainer Thomas Schaaf. Diese Frage klärte sich nach dem Ausgleich rasch durch Kvists fatalen Fehler. Schon in Hälfte eins hatte sich eine Niederlage angedeutet, der VfB Stuttgart plagte sich mit einem zögerlichen Spielaufbau und dicken Abwehrpatzern herum. Nachdem De Bruyne den Pfosten traf, nutzte Werder die gebotenen Räume und kam zu einer wahren Chancenflut, die in Ekicis Führung mündete.

Trotz Traores Ausgleich keimte nur kurz Hoffnung auf, die Stuttgarter könnten einen Heimerfolg landen. Die Sache mündete vielmehr in einem Debakel. „Da haben wir uns einfach hingegeben“, so Bobic. Die Spieler verloren, wie es Labbadia ausdrückte, „unerklärlicherweise die Linie“. Bereits am Donnerstag sucht Stuttgart weiter nach ihr, beim Spiel in der Europa League gegen Genk. Oliver Trust

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