Sport : Stuttgart - Cottbus: Vom Willen her gewollt

Oliver Trust

Selten haben wir Magaths Felix so ausgelassen gesehen. Wie ein Tanzlehrer beim Cha-Cha-Cha sah er aus. Oberkörper hin und her, beschwingt, lächelnd. Ein Fußballtrainer, für einen Moment mehr Double von Fred Astaire denn verzweifelter Abstiegskämpfer in Diensten des VfB Stuttgart. Eine überschaubare Viertelstunde beim 1:0-Sieg über Energie Cottbus hatte ihn in Verzückung versetzt. "Endlich haben wir die Stimmung, die wir brauchen", sagte Magath. "Endlich haben wir gekämpft und gefoult. Ja, ich sag es laut: gefoult. Endlich haben wir Gelbe Karten bekommen, toll."

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Das alles geschah in dieser berühmten Viertelstunde, als Krassimir Balakow den von Rudi Vata an Viorel Ganea verschuldeten Elfmeter verwandelte und seinem Trainer ein schönes Osterfest bescherte. "Ich werde diese Tage genießen und die Tabelle anschauen. Das war der Durchbruch. Wenn man solche Spiele so glücklich gewinnt, dann kann man die Klasse halten", sagte Magath und hielt den Mitschnitt vom Spiel gegen Cottbus in die Höhe. Von dieser Kassette wird er sich nicht viel anschauen, "denn das war das schlechteste Spiel, seit ich hier Trainer bin".

Wie gruselig die Vorstellung vor dem 1:0 auch war, spielte keine Rolle mehr. "Nur raus aus diesem Mist", frohlockte Manager Rolf Rüssmann. "Wir sind zum ersten Mal, seit ich hier bin, auf einem Nichtabstiegsplatz". Vorerst. "Wir haben viel über diesen 14. Platz nachgedacht", sagte Stuttgarts Kapitän Zvonimir Soldo. Und sie haben lange dafür gelitten. Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis die 40 000 im Stadion aufwachten, bis auch sie den Abstiegskampf entdeckten. Wohl selten ist ein Schütze so unterstützt worden wie Balakow in dieser 72. Minute. "Balakow, Balakow", unvermittelt schwollen die Worte zum Brüllchor an.

Gebrüllt wurde auch in der Cottbuser Kabine, allerdings nicht vor Begeisterung. "So einen Hosenscheißer-Fußball habe ich selten erlebt. Zum Schluss haben wir drei, vier Zwei-Meter-Leute nach vorn geschickt, und die verstecken sich bei der Eckfahne", schimpfte Bruno Akrapovic. Sein Trainer holte ebenfalls groß aus: "Vor dem Elfmeter haben wir uns angestellt wie in der Hilfsschule", zeterte Eduard Geyer. "Jetzt stehen wir wieder mit dem Rücken zur Wand."

Nun, im Spiel standen sie meist mit elf Mann vor und im eigenen Strafraum wie eine Mauer, "da kannst du nix gewinnen, wenn du kein Tor schießt", befand Geyer. "Wir hatten uns was ausgerechnet, gerade, weil es so gut anfing hier und die Stuttgarter so verunsichert waren." Fehlte am Ende der letzte Siegeswille? Der Cottbuser Trainer überlegte einen Augenblick und schüttelte dann den Kopf. "Nein, sagte Geyer, "vom Willen her hat die Mannschaft schon gewollt."

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