Sport : Stuttgart - Köln: Vielleicht fehlt es an Qualität

Parolen statt Punkte: Der VfB Stuttgart hofft im Kampf gegen den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga angesichts fehlender spielerischer Mittel nun auf die Kraft der Worte. "Jeder muss enttäuscht sein von unserer Leistung, aber wir werfen die Flinte nicht ins Korn", sagte Trainer Felix Magath nach der 0:3 (0:2)-Niederlage gegen den 1. FC Köln. Auch die Spieler flüchteten sich in Platitüden: "Die Hoffnung stirbt immer zuletzt", erklärte Jens Todt, und Torwart Timo Hildebrand gab die Order aus: "Jedes Spiel ist jetzt ein Schicksalsspiel."

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Tipp-Spiel Bei der Leitung mehren sich Zweifel, ob alle Spieler den Ernst der Lage verinnerlicht haben. "Nicht jeder hat begriffen, in welcher Situation wir stecken. Das nützt auch nicht das Gequatsche von guten Spielen. So hat man keine Chance im Abstiegskampf", polterte Manager Rolf Rüssmann und kündigte an: "Der Einfluss von uns muss größer werden." Defizite in der Einstellung der Mannschaft hat auch Magath ausgemacht. Er forderte von den Spielern das "Bewusstsein, absteigen zu können", ein. "Die dachten: Wir schaffen das schon. Das ist nicht die Stimmung, die man braucht."

Vier Spiele ohne Niederlage unter seiner Regie führten zu einer trügerischen Sicherheit, allein mit spielerischen Mitteln aus dem Tabellenkeller herauszukommen. Dass der VfB dabei ohne eine Gelbe Karte auskam, war für Magath, der selbst von der kritischsten Situation seiner Trainerlaufbahn spricht, "kein gutes Zeichen". Ein Eckenverhältnis von 17:3 und 12:4 Chancen dokumentieren eine Stuttgarter Feldüberlegenheit, die jedoch am Ende nur die Statistiker interessierte. Nach der frühen Führung durch Christian Springer besannen sich die Kölner auf ihre größte Stärke, ließen die Stuttgarter kommen, und kamen vor 35 000 Zuschauern durch Markus Kreuz und Miroslaw Baranek zu Kontertreffern.

"Wir hätten noch den ganzen Tag spielen können und hätten kein Tor geschossen", resümierte Torwart Hildebrand. Eine gehörige Portion Pech war den Gastgebern zwar zuzugestehen, doch auch Mannschaftskapitän Zvonimir Soldo wollte das nicht als alleinigen Grund für die Misere gelten lassen. "Vielleicht fehlt es uns an der Qualität, aber darüber will ich nicht reden." Um dem zweiten Abstieg nach 1975 zu entgehen, sind nun in Rostock drei Punkte für die auswärts noch sieglosen Schwaben Pflicht.

Derartige Sorgen plagen den 1. FC Köln nicht mehr. 40 Punkte hat der Aufsteiger gesammelt und kann nun seine Saisonziele neu definieren. Das sieht auch Trainer Ewald Lienen so. "Der Klassenerhalt war nur das Minimalziel. Wir müssen das Niveau hoch halten und weiter punkten." In Anbetracht des so gut wie perfekten Klassenverbleibs wurde dem 47 Jahre alten Fußball-Lehrer feierlich zumute: "Wir sind froh, dass wir die Punkte haben und müssen dem lieben Gott ein wenig danken."

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