Sport : Stuttgart - Schalke: Die Last der Erinnerung

Oliver Trust

Rudi Assauer suchte mit weiten Schritten die Abgeschiedenheit. Hände hoch zur Abwehr der Fragen, Stirn in Falten. "Heute besser nicht", sagte der Manager des FC Schalke 04. Ein Griff in die Jackentasche zum Zigarrenetui, ein Griff ins Kühlregal Abteilung Beruhigungsbier. Assauer dampfte für sich alleine. Auf dem Podium hockte sein Trainer Huub Stevens wie nach einem Trauerfall und schüttelte unentwegt den Kopf. "So viele Fehler wie heute haben wir noch nie gemacht", sagte er. Den tiefen Frust in seinem Herzen konnte der Niederländer nach dem 0:3 beim VfB Stuttgart gar nicht recht ausdrücken. "Wir hätten noch zwei Tage spielen können, wir hätten kein Tor geschossen." Sarkasmus statt der groß angekündigten Revanche für den 12. Mai, als die Schalker mit einer 0:1-Niederlage in Stuttgart den Meistertitel verspielten.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Ob es nun heute die Last der Erinnerung war oder generell der Wurm drin ist, das wusste keiner so genau. Die Schalker wirkten Monate nach der Blamage wieder lethargisch desinteressiert und ängstlich. "Eigentlich", seufzte Oliver Reck, "wollten wir uns in der Bundesliga oben festsetzen." Das ist gründlich schief gegangen. Statt Jubel musste sich Reck hämische Spottgesänge anhören. Wie in guten alten Zeiten als "Pannen-Oli" hatte Reck den Ball an Viorel Ganea verloren. Der schoss das 2:0. Kurz darauf reihte sich Tomasz Waldoch nahtlos in die Serie ein. Ball verspielt.Alexander Hleb: 3:0. "Schon nach dem 2:0 war das Spiel entschieden", sagte Stevens. "Wir schaffen es nicht, Druck zu entwickeln", meinte Reck. "Ich nehme die Niederlage auf meine Kappe." Schon beim 0:1 hatten die Schalker den Stuttgarter Marcelo Bordon im Strafraum allein gelassen. Er traf per Kopf zu seinem ersten Saisontor. "Keine Dynamik, keine Torgefahr", Schalkes Olaf Thon beschrieb die Pleite in knappen Sätzen. Was sollte er auch sagen. Um ihn herum feierten 35 000 Zuschauer einen unerwarteten Sieg, und er muss mit dem FC Schalke am Dienstag schon wieder in der Champions League bei Real Mallorca antreten. Draufhauen nützt da nicht viel. "Wir müssen sprechen", sagte Thon. Das will auch der Trainer. "Das Wichtigste ist nun, dass wir die Mannschaft wieder aufbauen", sagte Huub Stevens.

Begeisterung löste auch die Vorstellung des VfB Stuttgart nicht aus. Aber die Mannschaft mühte sich wenigstens 90 Minuten um ein paar gute Aktionen. Mehr, das predigen Stuttgarts Manager Rolf Rüssmann und Trainer Felix Magath im Duett, sei von dieser Mannschaft nicht zu erwarten. Wegen ein paar Fehlpässen wird in Stuttgart schon lange nicht mehr gepfiffen. "Das heute ist kein Grund zu übertreiben. Wir bleiben auf dem Boden", beschrieb Krassimir Balakow die neue Bescheidenheit am Neckar. Für Rudi Assauer, der mit einem neuen Stadion im Rücken ganz andere Ziele verfolgt, muss das wie ein schlechter Scherz geklungen haben. Hatte er doch nach dem 2:0-Heimsieg über Cottbus kämpferisch angedeutet, das könne nur "der Anfang einer Wiedergutmachungsserie" gewesen sein.

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