Sport : Stuttgart trainiert den Abschied vom Trainer

VfB-Präsident Erwin Staudt weiß: Für Magath wäre München eine Art Lebenstraum – Daum spielt als Nachfolger angeblich keine Rolle

Oliver Trust

Stuttgart. Am Ende einer Saison ist die Bundesliga wie eine Wundertüte. Entweder ist was drin oder nur die Verpackung der möglichen Nachrichten ist schön bunt. Der Inhalt aber fehlt. Ist nun in Stuttgart Trainer Felix Magath wirklich an den FC Bayern verloren, hört Ottmar Hitzfeld dort im Sommer auf und wird Nationaltrainer oder geht zu Real Madrid? Vielleicht. Wahrscheinlich.

„Ich würde das nicht ausschließen“, sagt Stuttgarts Präsident Erwin Staudt zu den Gerüchten um seinen Coach Magath, die durch einen Bericht der „Bild am Sonntag“ neue Nahrung bekamen. Dort wurde berichtet, Magath habe mit dem VfB bereits Gespräche über einen vorzeitigen Ausstieg geführt und Christoph Daum (Meister mit dem VfB 1992) würde als Nachfolger gehandelt.

„Ich kann das Gänsehautgefühl verstehen, das ein Trainer hat, wenn der Branchenführer ihm ein Angebot vorlegt“, sagt Staudt. Gespräche über einen vorzeitigen Ausstieg aber habe es mit Magath keine gegeben. Und auch der Name Christoph Daum (Fenerbahce Istanbul) sei weder bei ihm noch bei VfB-Finanzchef Ruf ein Thema. Es habe keine Gespräche mit Daum in einem Istanbuler Golfklub gegeben. „Wir als Verein müssen aber auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, und das sind wir“, sagte Staudt.

Insgeheim rechnen die Schwaben mit dem Abgang Magaths, der es bislang ablehnte, seinen bis 2005 laufenden Vertrag zu verlängern. Nur steht der Zeitpunkt von Magaths Abgang noch nicht fest. Staudt weiß, Magath sähe ein Engagement in München als eine Art Lebenstraum an. Dass Hitzfeld in München über diese Saison hinaus auch das ihm gewährte „Gnadenjahr“ absolviert, glaubt aber nicht einmal Staudt. Auch Insider rechnen damit, dass Hitzfeld von sich aus zurücktritt. „Wir werden in den nächsten Wochen besprechen, wie es ab 2005 weiter geht. Mehr können wir nicht tun. Magath hat bei uns einen Vertrag bis 2005.“

In der Industrie – Staudt war Chef des Computerriesen IBM – aber gelte die Regel: „Wenn ein Amtsinhaber überfahren wird, müssen Vorschläge über Nachfolger in der Schublade liegen.“ Daum aber sei ihm als Trainer bekannt, der mit fertigen Mannschaften arbeite. In Stuttgart habe man mit Magath zusammen eine andere Strategie entwickelt. „Ich weiß nicht, wie Daum über Nachwuchskonzepte denkt. Bayern München aber birgt auch Risiken. Viele mit großem Namen sind dort nicht zurecht gekommen", sagt Staudt. Das klingt wie ein Nachruf oder wie der verzweifelte Kampf, einen erfolgreichen Trainer zu halten.

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