Sport : Stuttgarter Weissenhof: Daniel Elsner stellt die Tennis-Hackordnung auf den Kopf

Jörg Allmeroth

Zwei Wochen nach dem urplötzlichen Aufstieg des Herrn Alexander Popp in Wimbledon liefert das deutsche Herrentennis auf dem Stuttgarter Weissenhof mit der Wiedergeburt seines ehemals größten Talents neue Schlagzeilen: Mit einem sensationellen 4:6, 7:6 (7:3), 6:4-Achtelfinalsieg über die Nummer eins der Welt, den Schweden Magnus Norman, stellte der 21-jährige Daniel Elsner die Tennis-Hackordnung auf den Kopf und erinnerte an seine Glanzzeit als einer der besten Juniorenspieler der Welt. "Ich bin überglücklich, dass mir solch ein Paukenschlag geglückt ist", sagte der von vielen nach Drogen- und Alkoholaffären schon abgeschriebene Jungprofi, der den Titelverteidiger und French-Open-Finalisten Norman mit einer couragierten, zupackenden Leistung bezwang.

"Heute hat Daniel gezeigt, welch wahnsinnig großes Potenzial er hat", befand Daviscup-Teamchef Carl-Uwe Steeb, "das war absolute Weltklasse." In der Runde der letzten Acht trifft Elsner heute auf den Tschechen Jiri Novak. Währenddessen musste Thomas Haas im innerdeutschen Duell mit Rainer Schüttler beim Stand von 6:7 und 1:2 wegen einer Rippenverletzung aufgeben und steht nun vor einer vermutlich einmonatigen Zwangspause. Erst vor den US Open Ende September wird mit einer Rückkehr von Haas in den Tourbetrieb gerechnet.

Selbst drei vergebene Matchbälle bei einer 5:4-Führung in der dramatischen Schlussphase des dritten Satzes konnten den nervenstarken Elsner nicht mehr bei seiner unmöglich scheinenden Siegmission erschüttern: "Ich war ganz gelassen, ganz ruhig und ganz konzentriert", sagte der Bayer, der die vierte Chance zum überraschendsten Sieg eines deutschen Profis in dieser Saison mit einem unerreichbaren Aufschlag kaltblütig nutzte. Zu Recht stufte Elsner den mit Mut zum Risiko und viel Mumm in kritischen Situationen erstrittenen Sieg als größtes Erlebnis ein, "seit ich Profi bin".

Bis zu seinen beiden Stuttgarter Siegen über den Sandplatz-Spezialisten Clavet (Spanien) und Magnus Norman hatte Elsner bei drei vorherigen Wettbewerbsteilnahmen im großen Geschäft noch kein einziges Match gewonnen. Durch Erfolge bei kleinen Turnieren kletterte er auf Rang 133 der Weltrangliste.

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