Sport : Subventionierte Talente

Bundesliga fördert Einsatz einheimischer Spieler

Christian Hönicke

Berlin - Perry Bräutigam war ein guter Torwart, doch sein bis heute nicht völlig verblasster Ruhm basiert vor allem darauf, dass er auch mit 40 noch im Kader von Hansa Rostock stand. Weil der Fußballverein vor zwei Jahren nicht die geforderten zwölf deutschen Spieler unter Vertrag hatte, wurde der Torwarttrainer einfach reaktiviert. Bräutigam war ein Füllspieler, der nur eine Aufgabe hatte: mithelfen, die Quote zu erreichen. Oliver Bierhoff hat nun Angst, dass es in der Bundesliga bald von Perry Bräutigams wimmelt.

„Einen Witz“ nennt der Manager der Fußball-Nationalmannschaft die geplante neue Ausländerregelung in der Bundesliga. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), der die 36 Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga angehören, hebt nämlich ab der kommenden Saison aus Angst vor einem Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht jedwede Ausländerbeschränkung auf – auch für Spieler, die nicht aus einem Land der Europäischen Fußballvereinigung (Uefa) kommen. Bislang durften maximal vier Nicht-Uefa-Ausländer gleichzeitig für ein Team auf dem Platz stehen. Um nun der Kritik vorzubeugen, mit dieser Regelung die Entwicklung deutscher Talente zu behindern, beschloss die DFL gleichzeitig, dass auch künftig zwölf deutsche Spieler im Kader eines Klubs stehen müssen und überdies die so genannte „Local-Player-Regelung“ der Uefa angewandt wird. Demnach müssen Vereine ab der kommenden Saison vier Spieler unter Vertrag haben, die in Deutschland ausgebildet wurden, davon zwei im Verein. Die Quoten sollen schrittweise auf acht und vier erhöht werden. Dennoch ließ die Kritik nicht lange auf sich warten.

Ohne die Einführung einer maximalen Kaderstärke seien diese Maßnahmen sinnlos, bemerkte Oliver Bierhoff im „Kicker“. Seine Angst ist, dass Klubs bald mit elf Brasilianern auflaufen und ihre Kader mit wenig chancenreichen deutschen Spielern auffüllen, um die Vorgaben zu erreichen. Auch für Gerhard Mayer-Vorfelder, den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ist die Kaderbegrenzung „das entscheidende Moment. Die Regeln können sonst zu leicht umgangen werden“.

Diese Argumentation hat zumindest Werner Hackmann überzeugt. „Ich denke, wir werden uns schnell einigen“, sagt der DFL-Chef und stellt eine Begrenzung der Kadergröße auf 25 Spieler in Aussicht. „Für uns war das auch immer ein offener Punkt, über den wir noch diskutieren wollten.“ Weil die DFL laut Hackmann „ein großes Interesse an einer starken Nationalmannschaft“ hat, schiebt er gleich noch einen Vorschlag hinterher: „Die Idee ist, den Vereinen mehr Geld aus dem Grundlagenvertrag mit dem DFB zur Verfügung zu stellen, die vermehrt deutsche Juniorenspieler einsetzen.“ Mit dem Geld, das je zur Hälfte aus DFB-Mitteln für die Abstellung von Nationalspielern und dem Verkauf von Übertragungsrechten ans Fernsehen besteht, soll Nachwuchsarbeit besser gewürdigt werden als bisher.

Über beide Vorschläge wird am 20. Januar auf der DFB-Präsidiumssitzung diskutiert werden. Danach sollen sie den Vereinen auf einer DFL-Mitgliederversammlung präsentiert werden. Hackmann sieht „eine hohe Wahrscheinlichkeit“ dafür, dass sie angenommen werden, gibt aber auch zu: „Einige Vereine haben ihre Bedenken bereits formuliert.“ Zwar befürwortet etwa Bayern München Hackmanns Vorstöße, aber eine Vielzahl an Klubs steht ihnen durchaus kritisch gegenüber. Darunter ist auch Hertha BSC. Manager Dieter Hoeneß glaubt, dass Vereine mit mehr ausländischen Spielern auch mehr Geld für Gehälter ausgeben müssen. „Deswegen wird sich das von selbst regulieren.“ Von einer Kaderbegrenzung halte er „gar nichts“, sagt Hoeneß: „Wir haben einen potenziellen Kader von 35 Spielern. Mit einer Obergrenze würde man dem einen oder anderen die Chance verbauen, weil es dann nicht mehr so einfach ist, ihn einzusetzen.“

Für diese These spricht auch der Werdegang eines anderen Füllspielers. Ein Abiturient half vor zwei Jahren bei Hannover 96 mit, die Mindestzahl für deutsche Spieler zu erreichen. Heute ist der Verteidiger namens Per Mertesacker einer der Hoffnungsträger für die WM.

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