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Hertha BSC traut dem 0:0 gegen Bayern nicht recht

Mathias Klappenbach

Berlin - Große Freude war Falko Götz nicht anzumerken, aber Erleichterung. „Wir würden gerne jede Woche gegen die Bayern spielen. Die Einstellung hat gestimmt“, sagte der Trainer von Hertha BSC nach dem 0:0 gegen den Tabellenführer der Fußball-Bundesliga aus München. Auch Götz’ Spieler waren sich darin einig, den Bayern angemessen Paroli geboten zu haben. „Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können“, sagte der 18-jährige Kevin-Prince Boateng.

Der Gegner heißt aber nicht jede Woche Bayern München, und der Mannschaft ist eine gewisse Skepsis sich selbst gegenüber anzumerken, ob sie solche Leistungen auch gegen den VfL Wolfsburg am Samstag in der Bundesliga oder gegen Rapid Bukarest am nächsten Mittwoch im Uefa-Cup wiederholen kann. Die üblichen Sätze wie „darauf können wir aufbauen“ waren nach dem Teilerfolg nicht zu hören, sinngemäß gaben die meisten Spieler ein vorsichtiges „darauf müssen wir aufbauen, hoffentlich können wir es auch“ von sich.

Man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Mannschaft nach dem Spiel gegen Bayern regelrecht darüber erschrocken war, wie schlecht ihre Leistungen im Vergleich dazu vorher waren. Einzig Kapitän Arne Friedrich sprach leise von einer „möglichen Initialzündung.“ Das gute Spiel gegen ungewohnt schwache Bayern hat aber offensichtlich nicht ausgereicht, die in den vergangenen Wochen gewachsene Verunsicherung zu vertreiben. Vor allem Marcelinho war dies einmal mehr anzumerken. Zu dessen Leistung ist nur zu sagen, dass Hertha trotz seiner Aufstellung das Unentschieden erreicht hat. Ein Grund dafür, dass die Berliner nicht so recht an ihre eigene Stärke glauben, mag auch das geschwundene Vertrauen in die periodische Wiederkehr der Fußballkunst des Spielmachers sein. „Fragen Sie ihn selbst, was mit ihm los ist“, sagte Falko Götz knapp. Marcelinho wollte aber nicht erklären, warum er lustlos über den Platz trottet.

Der Teilerfolg gegen den FC Bayern gelang aufgrund der kämpferischen Mannschaftsleistung. „Man hat gesehen, was für unser Spiel wichtig ist“, sagte Götz. „Gegen Wolfsburg müssen wir den Ansatz im Bayern-Spiel suchen.“ Gefunden hat sein Team die Erkenntnis, dass es mehr kann, als es in den vergangenen acht Bundesligaspielen gezeigt hat. Von diesen hat Hertha nur eines gewonnen, in der Rückrunde gab es in drei Spielen drei Unentschieden. „Es gab einmal eine Mannschaft, die mit fünf Unentschieden in eine Saison gestartet ist. Das ist ein Rekord, auf den ich nicht scharf bin“, sagte Falko Götz. Diese Mannschaft hieß Hertha BSC, der Trainer Falko Götz – trotz des Fehlstarts wurde Hertha am Ende der vorigen Saison Vierter und verpasste nur knapp die Champions League.

Die Parallelen zu heute bestehen aber nur in dem Aufeinanderfolgen von Unentschieden, die nicht weiterhelfen. Denn von der Champions League und selbst dem vierten Platz ist Hertha weit entfernt. Das ist der Mannschaft durch das Spiel gegen die Bayern wohl noch klarer geworden.

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