Sport : Sünder aus Schusseligkeit

Jeannette Krauth

wünscht sich ein genaueres Hinschauen im Fall Beerbaum Da ist er, der nächste gefallene Held. Nach Lance Armstrong zählt nun auch Ludger Beerbaum, der Saubermann des Reitsports, zu den Dopingsündern – höchstsportrichterlich verkündet. Noch schlimmer als bei Armstrong: Beerbaum verpasste die verbotene Cortison-Salbe nicht sich selbst, sondern seinem schutzbefohlenen Pferd. Beerbaum, der Betrüger: Ist das die Schlussfolgerung nach dem Rechtsspruch des Internationalen Sportgerichtshofs? Ist das die gerechte Strafe für das Urteil, dass Beerbaum und die deutsche Springequipe ihre olympische Goldmedaille zu Recht abgeben mussten? Nein.

Cortison-Salbe setzt so geringe Substanzmengen in die Blutbahn frei, es wäre ein Wunder, wenn das leistungssteigernd wirken würde. Wer Beerbaum einmal reiten gesehen hat auf einem Abreiteplatz, der weiß: Das ist einer der feinfühligsten Springreiter, die man an der internationalen Spitze sehen kann. Und noch etwas: Wer hinter den Kulissen nachhorcht, wie fair sich die einzelnen Spitzenställe denn um ihre Pferde kümmern, der hört so einige Klagen, aber nicht den Namen Beerbaum darunter.

Natürlich ist das kein Freispruch. Natürlich könnte auch so einer bewusst manipulieren. Aber allzu wahrscheinlich ist das nicht. Die Schlussfolgerung für die Reiter heißt: Schaut genauer hin, was für Pülverchen und Salben ihr euren Tieren verpasst! Und für die Internationale Reiterliche Vereinigung: Seht zu, dass ihr genauer regelt, wie Medikationen erfasst werden! Damit es nicht mehr passiert, dass ein schusseliger Olympiakandidat das Melden einer solchen vergisst. Und das dann – wenigstens selbstkritisch – mit „einer Mischung aus Dummheit und Fahrlässigkeit“ begründen muss.

0 Kommentare

Neuester Kommentar