Sung-Min Moon : Der Popstar vom Bodensee

Der Volleyballer Moon prägt den VfB Friedrichshafen. In seiner Heimat Südkorea wird er verehrt wie ein Popstar.

Frank Bachner
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Foto: dpa

Berlin - Auf vielen Briefen aus Südkorea sind natürlich Herzchen gemalt. Das gehört sich so bei der Post an einen Popstar. Eigentlich ist Sung-Min Moon ja nur ein Volleyballer, Profi beim VfB Friedrichshafen. Aber zu Hause, in Südkorea verehren ihn die Fans, vor allem natürlich die Mädchen, wie Robbie Williams. Moon ist der beste und populärste Volleyballer in Südkorea; als er im Sommer 2008 seinen Wechsel an den Bodensee bekanntgab, hatten sich die Kameras von sieben TV-Stationen vor ihm aufgebaut. Natürlich berichteten sie live. Und die ersten Spiele des VfB mit Moon liefen natürlich auch live im südkoreanischen Fernsehen. In der Geschäftsstelle des VfB läuft die Fanpost aus Südkorea ein.

Die Zahl der Briefe dürfte jetzt wieder zunehmen. Denn Sung-Min Moon hat das Spiel des VfB in den Play-offs ganz erheblich geprägt. Der 22-Jährige hämmert den Ball bei Aufschlägen mit ungeheurer Wucht übers Netz. Die gegnerischen Annahmespieler haben große Mühe, den Ball unter Kontrolle zu bekommen. Heute trifft Friedrichshafen im zweiten Endspiel auf Haching, da soll Moon wieder eine bedeutende Rolle spielen. Das erste Finalspiel hat der VfB, auch wegen Moon, 3:0 gewonnen.

Wegen dieser Aufschläge und seiner Angriffsstärke haben sie ihn geholt zum VfB. Er war bester Aufschlagspieler in der Weltliga 2008 und zudem bester Punktesammler. Und er war in Südkorea ein überragender Diagonalangreifer. Doch in Friedrichshafen kam er auf dieser Position nicht klar. Das Spielsystem in Südkorea ist anders als in Europa, also setzte VfB-Trainer Stelian Moculescu den Südkoreaner erstmal wieder auf die Bank. Die schiere Verletzungsnot zwang Mosculescu dann, Moon als Außenangreifer einzusetzen. Die Annahme war erstmal ein Problem, erwartungsgemäß, doch im Lauf der Zeit hat sich Moon gesteigert. Seine Stärke sind sowieso die Aufschläge. Gegen den SCC hat er in zwei Halbfinal-Spielen die Bälle derart hart übers Netz gehämmert, dass der frustrierte SCC-Manager Kaweh Niroomand seufzte: „Wir hatten null, null Chance.“

Inzwischen kann Moon sogar ein wenig Englisch. Als er kam, konnte er weder Englisch noch Deutsch. Sein Manager half in der Anfangsphase als Dolmetscher, danach lief die Kommunikation zwischen Trainer und Spieler in einer Art Zeichensprache. Und dass Moon wochenlang kein Internet hatte, machte die Integration nicht leichter.

Vergangenheit. Jetzt ist Moon angekommen am Bodensee. Conny Kurth, die Pressesprecherin des VfB, erkennt das an der Konkurrenz für die südkoreanischen Moon-Fans. Manchmal steht der 22-Jährige Sonnyboy nach einem Heimspiel noch für Smalltalk im Tribünenbereich. „Da“, sagt Kurth, „kreischen ja schon weibliche VfB-Fans, wenn sie ihn sehen.“

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