Super Bowl 50 : Peyton Manning und sein letzter Ritt

Im Super Bowl entscheidet sich beim Spiel der Broncos gegen die Carolina Panthers auch, wie sehr Denvers Quarterback Peyton Manning in Erinnerung bleiben wird.

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Noch ein großer Wurf? In seinem vierten Finale kann Peyton Manning mit den Denver Broncos heute seinen zweiten Titel gewinnen.
Noch ein großer Wurf? In seinem vierten Finale kann Peyton Manning mit den Denver Broncos heute seinen zweiten Titel gewinnen.Foto: imago/Zuma

Immer dichter rückte Peyton Manning ans Ohr seines alten Konkurrenten. Mit den Denver Broncos hatte er erneut die New England Patriots im Halbfinale der National Football League (NFL) geschlagen, als Manning dem gegnerischen Trainer Bill Belichick beim üblichen Händeschütteln in der Feldmitte ein Geheimnis anvertraute. „Das könnte mein letzter Ritt gewesen sein“, sagte er mit dem für ihn typischen Südstaaten-Akzent. Belichick, sonst emotional eher ein Eisblock, nickte anerkennend. „Du bist ein großer Wettkämpfer.“ Lippenleser entschlüsselten später ihre Unterhaltung.

Für Experten war es der endgültige Beweis, dass Manning in der Nacht von Sonntag auf Montag (0.30 Uhr, live in Sat 1) sein letztes Spiel bestreiten wird, auch wenn er das nahende Karriereende noch nicht offiziell verkündet hat. Die Bühne zum Abschied könnte für den 38-Jährigen nicht größer sein: Super Bowl 50 im kalifornischen Santa Clara, Gegner sind die Carolina Panthers. Noch ein Sieg, und Manning hätte den filmreifen Abgang, den ihm die meisten Amerikaner so sehr gönnen. Noch wichtiger: Er hätte gezeigt, dass er doch gewinnen kann, wenn es drauf ankommt. Zweifel daran hatten stets seine Karriere begleitet, trotz all der Rekorde, unter anderem für die meisten Siege, die meisten Touchdown-Pässe und die meisten Pass-Yards. Richtig laut wurde die Kritik vor zwei Jahren. Im Super Bowl bezog er mit den Broncos gegen die Seattle Seahawks (8:43) dermaßen Prügel, dass sich die sportliche Wahrnehmung der Amerikaner in Bezug auf seine Person änderte. Ein Quarterback für die Vorrunde sei er, hieß es auf einmal.

Anders als seinem großen Rivalen Tom Brady von den Patriots wurde Manning die Nervenstärke im entscheidenden Moment abgesprochen. Plötzlich ätzte auch Jim Irsay, Besitzer der Indianapolis Colts, für die Manning die meiste Zeit seiner Karriere gespielt hatte, dass in diesen 14 Jahren „zu wenig bei rumgekommen ist“. Tatsächlich hat Manning bisher nur einen Super Bowl gewonnen, zwei Endspiele verlor er. Zum Vergleich: Brady siegte in sechs Versuchen vier Mal. Genauso oft gewannen Joe Montana und Terry Bradshaw die wichtigste Trophäe im American Football. Manning fällt in dieser Statistik mit einem Titel nicht weiter auf. Gelingt im vierten Versuch wieder kein Sieg, wird er wohl endgültig als Schön-Wetter-Quarterback abgetan werden.

Peyton Manning hält sich seit Tagen mit Aussagen zurück

Das erscheint, nachdem er die Liga über ein Jahrzehnt mitgeprägt hat, äußerst ungerecht, aber im Sport bleibt vor allem der letzte Eindruck in Erinnerung. „Peytons Karriere sollte nicht bloß an den Super Bowls gemessen werden“, sagte Eli Manning jüngst. Eigentlich wollte er seinem Bruder zur Seite stehen, bewirkte mit der Aussage aber das Gegenteil. Eli rief ungewollt ins Gedächtnis, dass auch er, der deutlich weniger Veranlagte Manning, mehr Endspielerfolge vorzuweisen hat: Zwei Siege aus zwei Versuchen mit den New York Giants.

Peyton Manning hat sich zu all dem in den vergangenen Tagen nicht geäußert. Verbales Vorpreschen ist seine Sache nicht. Manning, Sohn eines NFL-Quarterbacks, gilt als Saubermann aus gutem Hause, als einer, der in einer von Skandalen belasteten Sportart nie negativ auffiel. Ruhig, bescheiden, und von den Gegnern respektiert – das ist das gängige Bild von ihm. Kaum ein Spieler in der Liga ist so beliebt, deshalb drücken ihm neben den Broncos-Fans auch die meisten neutralen Zuschauer die Daumen. Unterstützung kann er gut gebrauchen, Carolina gilt als klarer Favorit. Das liegt auch an ihm.

Achtzehn Jahre Profifootball haben den Spielmacher der Broncos furchtbar alt werden lassen – zumindest sportlich. Der Wurfarm, einst seine gefürchtetste Waffe, hat an Zielgenauigkeit eingebüßt, die Füße sind langsam geworden und aus der Hüfte kommt keine Beweglichkeit mehr. Statistisch gesehen liegt hinter ihm die schlechteste Saison seiner Laufbahn, Denvers Finaleinzug ist in erster Linie ein Verdienst der überragenden Verteidigung. Nach all den schweren Verletzungen, unter anderem am Nacken, scheint sein Körper zu flehen: Hör auf! Es reicht! Manning ging an die Grenze der Belastbarkeit und vielleicht darüber hinaus. Kürzlich tauchten Meldungen auf, er hätte seine vor Jahren erlittene Nackenverletzung mit dem verbotenen Wachstumshormon behandelt. Manning gab sich gelassen: „Das bringt mich nicht um den Schlaf, da ist nichts dran.“ Die NFL würde es trotzdem gern genauer wissen und ermittelt.

Gegen Carolina wird Manning noch einmal über sich hinaus wachsen müssen. Sein Gegenüber Cam Newton ist ein Quarterback in der Blüte seiner Schaffenskraft. Groß, jung, schnell – ein Modellathlet, dessen beste Zeit gerade erst angebrochen ist. Der Vergleich mit Newton lässt Manning noch etwas älter aussehen. Für die meisten Amerikaner nur ein weiterer Grund, Peyton Manning die Daumen zu drücken.

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