Super Bowl : Auf zittrigen Zehenspitzen

Die Pittsburgh Steelers besiegen die Arizona Cardinals im packenden Super Bowl mit 27:23

Christoph Leischwitz[Tampa]

Dass Santonio Holmes gut fangen kann, war bekannt. Dass er auch in den Zehen ein Spitzengefühl hat, war in diesem Moment nicht mehr zu erwarten. Denn Holmes und seine Pittsburgh Steelers hatten im 43. Super Bowl zu diesem Zeitpunkt eigentlich jegliche Standfestigkeit verloren. Die Favoriten waren nervös und zittrig geworden, sie hatten unnötige Fouls begangen und mit den daraus resultierenden Strafen die Arizona Cardinals ins Spiel zurückgeholt. 35 Sekunden vor Schluss jedoch fing Holmes einen Pass seines Quarterbacks Ben Roethlisberger, mit 98 Prozent seines Körpers außerhalb der Endzone. Aber weil sich seine Zehenspitzen deutlich in der Endzone befanden, zählte der Touchdown. Die Steelers gewannen das Spiel mit 27:23 und Holmes den Titel des wertvollsten Spielers.

Durch den Fang haben die Steelers noch etwas Größeres erreicht: Mit nun sechs Titeln überholten sie die Dallas Cowboys und die San Francisco 49ers und sind alleiniger Rekordmeister der National Football League (NFL). Quarterback Roethlisberger war bereits beim vorangegangenen Titelgewinn im Jahr 2006 dabei. Der Absender des entscheidenden Passes saß nach Spielende eine halbe Stunde schweigend in der Kabine und blickte mit Tränen in den Augen auf den Boden. Ab und zu schüttelte er ungläubig den Kopf. Jenen Kopf, der seit dem Super-Bowl-Erfolg vor drei Jahren drei berufsbedingte Gehirnerschütterungen ertragen musste. Doch Roethlisberger zeigte in den letzten drei Spielminuten, dass Pittsburgh sich nicht immer nur auf seine Abwehr verlassen muss, um wichtige Spiele zu gewinnen.

Auch die anderen Steelers waren sichtlich erschöpft, der Außenseiter hatte ihnen alles abgerungen. James Harrison klebte noch silbernes Konfetti von der Siegerehrung im Gesicht, als er sagte: „Ich bin mehr müde als froh, ich will einfach nur noch schlafen.“ Zu Recht: Der 110 Kilogramm schwere Abwehrspieler war zum Ende der ersten Halbzeit exakt 100 Yards zum Touchdown gelaufen, nachdem er einen Pass von Arizonas Quarterback Kurt Warner an der eigenen Endzone abgefangen hatte. „Als ich am Schluss am Boden lag, konnte ich nicht mehr atmen“, sagte der 30-Jährige. Es war der einzige große Moment der sonst so stark spielenden Steelers-Abwehr, und zudem ein neuer Super-Bowl-Rekord für einen Abwehrspieler.

Doch von diesem Spiel wird weit mehr als Harrisons Rekord im kollektiven Sportgedächtnis Amerikas hängen bleiben, besonders die Dramatik der letzten Minuten. Bis zum Ende des dritten Viertels hatten die Pittsburgh Steelers das Spiel dominiert. Doch mit Beginn des letzten Spielviertels zeigte sich die Steelers-Abwehr ungewohnt erschöpft. Kurt Warner warf zwei Touchdown-Pässe zu Larry Fitzgerald, hinzu kam ein Safety für zwei Punkte dank eines Pittsburgher Fouls in der eigenen Endzone. Der Außenseiter aus Arizona schien gegen die beste Abwehr der Liga eine grandiose Aufholjagd zu vollenden.

Weil das aber dank Roethlisberger nicht gelang, nahm Dan Rooney, der Präsident der Steelers, die Lombardi-Trophäe entgegen. „Ich danke Präsident Obama und all den anderen Fans, die über die Jahre zu uns gehalten haben“, sagte Rooney. Obama hatte offiziell auf einen Steelers-Sieg gehofft, auch weil er von Rooney, der eigentlich ein Republikaner ist, im Wahlkampf unterstützt worden war. Der Super-Bowl-Sunday gilt als der wahre große Feiertag der Amerikaner. Da dürfen staatstragende Reden wohl nicht fehlen.

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