Super Bowl in New York : Zirkus am Gefrierpunkt

Erstmalig findet der Super Bowl nicht in einer warmen Region statt, sondern im winterlichen New York – ein Risiko sowohl für Liga als auch Fans.

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Ein Ei, das die Welt bedeutet. Seit Tagen dreht sich in New York alles um den Super Bowl. Etwa 400.000 zusätzliche Touristen sollen in der Stadt unterwegs sein.
Ein Ei, das die Welt bedeutet. Seit Tagen dreht sich in New York alles um den Super Bowl. Etwa 400.000 zusätzliche Touristen...Foto: Imago

Die Menschen in New York City hätte es schlimmer treffen können. Für Sonntag werden Temperaturen um den Gefrierpunkt vorausgesagt, dazu eine Niederschlagswahrscheinlichkeit von bis zu 80 Prozent am Abend. Besser zwar als vor zwei Wochen, da sorgte die härteste Kältewelle der USA seit mehr als 20 Jahren für eisige minus 15 Grad. Trotzdem lädt das aktuelle Wetter nicht unbedingt zum Aufenthalt im Freien ein.

Den geschätzten 400.000 Touristen, die dieser Tage die Stadt und vor allem die dreizehn Straßenzüge lange Fanmeile bevölkern, wird allerdings kaum etwas übrig bleiben. Sie sind ja hauptsächlich wegen des Super Bowls gekommen.

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte veranstaltet die National Football League (NFL) ihr großes Finale in einem Freiluftstadion in einer kälteren Region. Bisher fanden die Endspiele, die nicht in einer überdachten Halle ausgetragen wurden, stets im sonnigen Süden statt: in Kalifornien, Arizona, Texas und vor allem Florida. Das hatte Gründe: Rund um den Super Bowl veranstalten die NFL und ihre großen Sponsoren eine Art Zirkus für Football-Fans. Die reisen meist Tage vor dem Endspiel an, um die Super-Bowl-Woche zu zelebrieren. Jeden Tag gibt es andere Wettbewerbe wie Football-Weitwurf oder Ratespiele, auch die Spieler der Denver Broncos und der Seattle Seahawks befinden sich seit einer Woche in der Stadt und bedienen die gewaltige Medienschar, die ihnen auf Schritt und Tritt folgt. Bei den zahlreichen Fanfesten läuft Popmusik und natürlich werden allerlei Merchandise-Produkte angeboten. All das verkauft sich besser, wenn entsprechende äußere Bedingungen herrschen.

Deshalb wunderten sich viele Anhänger, dass es die NFL ausgerechnet ins im Winter unwirtliche New York verschlägt. „Das macht Sinn“, sagt dagegen Ken Belson, Sport- und Wirtschaftsexperte bei der „New York Times“. „Die Leute werden trotz Kälte kommen. New York hat ja nicht nur den Super Bowl zu bieten, sondern auch erstklassige Restaurants, Klubs und den Broadway. Gerade Fans, die mit ihrer Familie anreisen, können sich auch abseits des Sports gut beschäftigen.“

Super Bowl seit 2009 in Bildern
Am 1. Februar 2009 standen sich in Tampa im sonnigen Florida die Pittsburgh Steelers (l.) und die Arizona Cardinals gegenüber. Nach einem extrem spannenden Endspiel setzten sich die Steelers mit 27:23 durch und vermasselten Cardinals-Quarterback Kurt Warner seine Abschiedssaison. Der Veteran unter den Spielmachern beendete seine Karriere nach der Niederlage im großen Endspiel.Weitere Bilder anzeigen
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01.02.2015 19:12Am 1. Februar 2009 standen sich in Tampa im sonnigen Florida die Pittsburgh Steelers (l.) und die Arizona Cardinals gegenüber....

Dass es wegen des schlechten Wetters zu Anreiseproblemen kommen könnte, glaubt Belson nicht. „Im Gegensatz zu kleineren Austragungsorten im Süden ist New York nicht auf Touristen aus dem ganzen Land angewiesen. In der Metropolenregion leben genügend Menschen, die als Besucher infrage kommen.“

Seahawks und Broncos trainieren in der Halle – bei geöffneten Fenstern und Türen

Auf die unmittelbare Vorbereitung der teilnehmenden Mannschaften haben die kalten Temperaturen unter der Woche jedenfalls schon Einfluss genommen. Sowohl die Trainingsstätte der New York Jets, auf der sich die Seahawks eingemietet haben, als auch jene von den Broncos genutzten Felder der New York Giants sind von einer dicken Eisschicht überzogen. Für die letzten Einheiten sind die Teams deshalb in große Hallen umgezogen, wobei die Trainer sämtliche Fenster, Türen und Tore jener Hallen öffnen ließen – um möglichst realistische Bedingungen für Sonntag zu simulieren.

Aus logistischer Sicht ist New York mit seinem neuen, hochmodernen Stadion der perfekte Austragungsort. Es gibt mehr als einen Flughafen und ausreichend Hotelbetten in der Stadt. Das war zuletzt in Indianapolis und Jacksonville ein Problem, als viele Besucher außerhalb übernachten mussten. In Jacksonville mussten die Veranstalter sogar Kreuzfahrtschiffe mieten, um genügend Betten zur Verfügung stellen zu können. In New York besteht diese Sorge nicht. Dafür schwebt vor dem weltgrößten Einzelsportevent eine andere Angst über der Stadt: vor Terroranschlägen. Zuletzt sind 200 zusätzliche Überwachungskameras installiert und alle Kontrollen verschärft worden, den Luftraum über dem Stadion haben die Behörden zur Flugverbotszone erklärt.

Im Zentrum des Interesses steht Denvers Quarterback Peyton Manning.
Im Zentrum des Interesses steht Denvers Quarterback Peyton Manning.Foto: Reuters

Im Vergleich zu einem Anschlag sind die Befürchtungen, Zuschauer könnten die Innenräume des Stadions wegen des schlechten Wetters ihren Sitzplätzen vorziehen, zwar nichtig. „Aber es wäre eine Blamage für die Liga, wenn im Fernsehen viele leere Sitze zu sehen wären“, sagt Belson. Auch den Spielern würde das nicht gefallen. Sie wissen, wie es ist, wenn sich die Fans nicht mehr auf ihre Sitze trauen, weil der Wind bläst oder der Regen peitscht. In kaum einer anderen Sportart werden Spiele so unabhängig von den äußeren Einflüssen ausgetragen wie beim American Football. Duelle im Schnee oder bei extremer Kälte haben Tradition. Vor 47 Jahren standen sich in Green Bay die Packers und die Dallas Cowboys beim sogenannten „Ice Bowl“ gegenüber. Nicht einmal Temperaturen von minus 25 konnten eine Verlegung bewirken. Den Mitgliedern der Marching Band froren die Lippen an ihren Instrumenten fest. Spieler mussten mit Erfrierungen ins Krankenhaus gebracht werden. Gemessen daran haben es Fans und Spieler mit New York noch gut erwischt.

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