Super-Bowl-Sieger Sebastian Vollmer : NFL: Nadelöhr für schwere Jungs

Sebastian Vollmer hat Außergewöhnliches geschafft. Unser Autor würdigt den ersten Super-Bowl-Sieger aus Deutschland - glaubt aber, dass Vollmer in seiner Heimat keinen Football-Boom auslösen wird.

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Nun fehlt nur noch ein Meister im Baseball. Sebastian Vollmer beim Sieg im Super Bowl.
Nun fehlt nur noch ein Meister im Baseball. Sebastian Vollmer beim Sieg im Super Bowl.Foto: dpa

Sebastian Vollmer ist am Ziel. Mit dem Sieg im Super Bowl hat der 30-Jährige den größten Titel im American Football gewonnen. Nach Basketballer Dirk Nowitzki und den Eishockeyprofis Uwe Krupp und Dennis Seidenberg ist er der vierte Deutsche, dem ein Meistertitel in einer der großen vier US-Ligen gelungen ist. Einen Football-Boom wird er in Deutschland allerdings nicht auslösen – obwohl seine Leistung wirklich beeindruckend ist.

Im Basketball und im Eishockey sind Nicht-Amerikaner längst fester Bestandteil des US-Sports, NBA und NHL schicken ihre Scouts auf der Suche nach Talenten mittlerweile um die halbe Welt. Im Football allerdings ist Vollmer als Ausländer noch die absolute Ausnahme – abgesehen von wenigen europäischen oder australischen Kickern. Auch wenn er bereits seit zehn Jahren in den USA lebt: Seine sportliche Sozialisation und Grundausbildung hat Vollmer im footballfernen Deutschland erfahren. Das hätte ihn eigentlich für die NFL disqualifizieren müssen. Die 32 Profiteams haben zwar je 53 Kaderplätze und damit fast 1700 Profiverträge zu vergeben – mehr als dreimal so viele wie die NBA. Weil der Sport aber so uramerikanisch ist und in den USA so viel professioneller betrieben wird als im Rest der Welt, gleicht der Weg in den Profi-Football für Nicht-Amerikaner einem Nadelöhr.

Wer kann Vollmers Weg folgen? Vermutlich kaum ein Deutscher. Zu weit weg ist die Sportart von den Kindern und Jugendlichen hierzulande, zu fremd sind die Regeln und die gesamte Football-Kultur. Allein Vollmers Position disqualifiziert ihn fast schon als Star, dem man nacheifern könnte. Ein Right Tackle – dessen Aufgabe es ist, den Quarterback zu beschützen – liefert keine Highlight-Videos und hat es als Vorbild schwerer als Basketballer Nowitzki, der den Ball ständig in die Hand bekommt.

All das soll Vollmers Leistung und seine Beharrlichkeit auf dem langen Weg zum Super-Bowl-Sieg aber keinesfalls schmälern. Im Gegenteil.

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