Sport : Super Deutschland, olé, olé, olé

Was heimische Basketball-Fans jetzt noch in Schweden machen

Benedikt Voigt

Stockholm. Im dritten Spielviertel komplizierte sich die Situation für rund 2000 griechische Basketball-Fans im Globen. Bis dahin hatten sie ihr Team im Viertelfinale gegen Italien angefeuert und lautstark das Häuflein Italiener beschimpft, das unten rechts vor ihnen stand. Plötzlich aber machten sich auch oben links in der riesigen Arena einige Zuschauer bemerkbar. Sie sprangen auf und sangen: „Super Deutschland, super Deutschland, olé, olé, olé.“ Es dauerte einige Sekunden, bis sich die griechischen Fans auf die neue Lage eingestellt hatten. Dann schimpften sie auch in die andere Richtung.

Rund 300 deutsche Fans harren noch bei der Basketball-Europameisterschaft in Stockholm aus, obwohl ihre Mannschaft bereits am Montag im Ausscheidungsspiel gegen Italien (84:86) ausgeschieden ist. „Wir haben noch Karten bis zum Finale“, sagt Oliver Stoll aus Waiblingen, „außerdem ist Stockholm eine schöne Stadt.“ Er sei eben auch ein Fan der Sportart Basketball. „Das Ausscheiden der Deutschen ist noch kein Grund heimzufahren“, sagt der Fan des Bundesligisten Ludwigsburg. Die meisten deutschen Zuschauer hatten bereits vor der Vorrunde in Norrköping ihren Aufenthalt und ihre Karten für Stockholm gebucht. Umso größer war die Enttäuschung, als die deutsche Mannschaft verlor. „Wir sind total frustriert über die Art und Weise, wie die deutsche Mannschaft sich präsentiert hat“, sagt Stoll.

Julia Schäper und Hamed Attarbashi bilden den Härtefall unter den übrig gebliebenen deutschen Basketball-Anhängern. Die beiden Hamburger reisten erst nach dem Ausscheidungsspiel an, weil sie lediglich Karten für die Finalrunde gekauft hatten. Nun bekommen sie in Schweden kein einziges Spiel der deutschen Mannschaft zu sehen. Die beiden Basketball-Fans nehmen das gelassen. „Hier sehen wir Spieler, die es nicht so oft zu sehen gibt“, sagt die 28-Jährige, die für den BC Hamburg arbeitet. Außerdem sei die Reise sehr billig gewesen. Roland Geggus, der noch bis zum Finale vor Ort ist, weiß um leidgeprüfte Fans wie die Hamburger. Der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes sagt: „Wir haben zu jedem Zeitpunkt gesagt, dass es ein Risiko ist, nur Stockholm zu buchen.“ Eines, das vor der Europameisterschaft sehr gering schien. Das deutsche Team ging als Titelfavorit ins Turnier. Nun zählt es noch nicht einmal zu den besten acht.

Auch ein Fanbus aus Bonn ist noch in Stockholm. Darin sammelten sich rund 50 Fans verschiedener Bundesligisten. Von Alba Berlin über Telekom Baskets Bonn bis Brandt Hagen. „Als Hagen-Fan ist man Leid gewöhnt“, sagt Frank Koehmhöner. Inzwischen hält fast die gesamte Busbesatzung zum Halbfinalisten Litauen.

Nicht nur, weil das baltische Team bislang den schönsten Basketball spielt. Auch, weil man sich auf dem Zeltplatz in Norrköping mit litauischen Fans anfreundete. Diese hatten nach der deutschen Niederlage gegen Italien Rücksicht bewiesen und stießen erst zu den deutschen Fans, als einige Stunden verstrichen waren. „Dann war es wie auf jedem Begräbnis“, berichtet Robert Baum aus Troisdorf, „irgendwann kommt wieder Stimmung auf.“

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