Super-Six-Turnier : Abraham boxt nicht fair und verliert

Beim Super-Six-Turnier hat Arthur Abraham seinen zweiten Kampf gegen Andre Dirrell verloren. Der Supermittelgewichtler wurde nach einem Schlag gegen seinen am Boden liegenden Gegner disqualifiziert.

War was? Boxer Arthur Abraham macht auf unschuldig. Foto: dpa
War was? Boxer Arthur Abraham macht auf unschuldig.Foto: dpa

Detroit - In einer einzigen Nacht mussten gleich zwei deutsche Boxer derbe Niederlagen hinnehmen. Ex-Weltmeister Arthur Abraham erlitt beim mit 50 Millionen Dollar dotierten Super-Six-Turnier der weltbesten Supermittelgewichtler nach 31 Siegen seine erste Niederlage als Profi. Abraham wurde beim Kampf in Detroit in der elften Runde disqualifiziert, weil er dem am Boden sitzenden Lokalrivalen Andre Dirrell verbotenerweise einen Schlag verpasst hatte. Und in Hamburg gab der Schwergewichtler Steffen Kretschmann seinen Kampf in der neunten Runde auf.

Ob Abrahams Gegner nach dem Schlag am Boden tatsächlich kampfunfähig war, wollte nicht nur ARD-Ko-Kommentator Henry Maske nicht ganz glauben. „Sehr zweifelhaft“, sagte er. Dennoch änderte das nichts an der Tatsache: Einen kampfunfähigen Gegner am Boden schlägt man nicht.

Promoter Wilfried Sauerland legte zwar Protest beim Weltverband WBC ein und forderte, den Kampf als „No contest“ (kein Wettbewerb) zu werten. Abraham hatte Glück, dass ihn der aufgebrachte Dirrell-Clan nicht in die Finger bekam. Die rund 30 Mitglieder starke Großfamilie unter Führung von Großvater Leon, Bruder Willy und der Verlobten Alaia wollte den Boxring nach dem Regelverstoß des Berliners stürmen. Es flogen Fäuste, Schimpfworte und Gegenstände. Abraham musste von einem breiten Bodyguard abgeschirmt werden. „Ich war so im Adrenalinschub, sollte ich warten, bis er sich wieder erholt hat?“, begründete Abraham seine regelwidrige Attacke.

Nach Punkten lag Abraham aussichtslos zurück

Nach Punkten hätte der 30-Jährige den Kampf verloren. Dirrell war der schnellere, beweglichere und technisch bessere Boxer. Der Deutsche verließ sich auf seine K.-o.-Fähigkeiten, konnte seinen Rivalen aber nicht stellen. „Ich kämpfe immer so, sechs Runden warte ich ab, dann gehe ich auf K. o.“, erklärte der Boxer von Trainer Ulli Wegner seinen passiven Stil. „Ich bin überzeugt, dass ich Dirrell noch in der zwölften Runde k. o. geschlagen hätte.“ Der gebürtige Armenier mit deutschem Pass hat im Turnier der sechs weltbesten Supermittelgewichtler damit einen K.-o.-Sieg aus dem Vorjahr und eine Niederlage auf dem Konto, führt die Wertung aber weiterhin mit drei Punkten an. In der Tabelle folgen Dirrell (2 Kämpfe/2 Punkte) sowie WBA-Champion Andre Ward aus den USA und der britische WBC-Weltmeister Carl Froch (jeweils 1 Kampf/2 Punkte). Noch ohne Zähler sind Mikkel Kessler aus Dänemark und der US-Amerikaner Alan Green.

In Hamburg waren 4300 Zuschauer in der Alsterdorfer Sporthalle und rund 2,75 Millionen an den Fernsehschirmen Zeugen, wie die Box-Karriere von Steffen Kretschmann endete. Ursprünglich von Promoter Ahmet Öner als deutsche Schwergewichtshoffnung angepriesen, enttäuschte der 1,96 Meter große Boxer bei der Neuauflage des Kampfes gegen den Russen Denis Bachtow. Das erste Duell vor neun Monaten hatte er durch K. o. in der ersten Runde verloren, nun gab er sogar auf. Ausgerechnet beim Comeback von TV-Sender Sat 1 nach neunjähriger Abstinenz ging der Hoffnungsträger verlustig. Eine Fortsetzung der Karriere ist ungewiss. Ahmet Öner beschimpfte seinen Angestellten sogar. „Ein Boxer, der aufgibt, muss aufhören“, sagte er, „hiermit ist er frei, ich übergebe ihn der Masse, sie kann ihn haben und zu Hause ausstopfen.“ Nach diesen Worten fragt man sich freilich, wer von den beiden die schlechtere Figur abgegeben hat. (dpa)

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