Supercup : Ralf Fährmann: Vorschuss statt Zweifel

Schalkes Torwart Ralf Fährmann wird nach zwei gehaltenen Elfmetern und einer herausragenden Leistung zum Held des Supercups - ein Dortmunder zum Buhmann.

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Leistungsträger. Papadopoulos (l.) und Raúl schultern Ralf Fährmann.Foto: dpa
Leistungsträger. Papadopoulos (l.) und Raúl schultern Ralf Fährmann.Foto: dpaFoto: dpa

Den härtesten Stresstest hatte er im Nachspiel zu bestehen. Da lag er am Boden, während sich seine glückstrunkenen Kameraden auf ihn stürzten. Kurz danach betätigte er sich sogar noch als Vorsänger auf dem Podest vor der Nordkurve, wo die besonders eingefleischten Schalke- Fans zu Hause sind: Rückkehrer Ralf Fährmann schmetterte den besonders beliebten Vereinshit „Vorwärts FC Schalke“ schon nach seinem ersten Pflichtspiel in dieser Saison gemeinsam mit den Fans. Für einen Moment schien es, als sei dieser Supercup eigens für den 22 Jahre alten Nachfolger von Manuel Neuer im Schalker Tor in Szene gesetzt worden. Ohne den 1,94 Meter langen Sachsen, der seine Fußballjugend gemeinsam mit Neuer bei Schalke erlebte, hätte Schalke ganz sicher nicht gewinnen können. Ob Ilkay Gündogan, Robert Lewandowski oder Mario Götze – sie alle scheiterten schon beim 0:0 über neunzig Minuten an Fährmann; danach parierte der stoische Schlussmann im Elfmeterschießen auch noch die Strafstöße von Kevin Großkreutz und Ivan Perisic, so dass die Schalker am Ende das Derby gegen Dortmund mit 4:3 gewannen.

Fährmann behielt zwei Wochen vor dem Bundesligastart die Proportionen im Auge und widerstand souverän der Versuchung, aus seinem bisher schönsten Tag bei diesem Klub im Nachhinein eine One-Man-Show zu machen. Souveräner, als er in seinen zwei Jahren beim Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt eine Zeit der Rückschläge und Selbstzweifel bewältigt hatte, schätzte er seine Gegenwart wie seine Perspektiven ein. „Ich sehe mich nicht als Held“, sagte der Torwart, „ich konnte der Mannschaft in ein, zwei Situationen Halt geben.“ Einer für alle – das hat Tradition in diesem Klub. Auch Neuer hat dieses Gemeinschaftsgefühl als Kapitän bis zu seinem Wechsel zum FC Bayern in diesem Sommer vorgelebt. Der Nationalkeeper hat Maßstäbe gesetzt, denen sein Erbe nun genügen muss. Schon deshalb könnte Fährmanns Auftritt vom Samstag gegen den spielerisch phasenweise übermächtig anmutenden BVB wegweisende Bedeutung gehabt haben. „Die Lücke, die Manuel Neuer hinterlässt, ist riesig“, pries Ralf Fährmann den großen Vorgänger. „Meine Aufgabe ist es, in den nächsten Jahren diese Lücke zu schließen.“

Der Anfang ist gemacht, nachdem ihn seine Kollegen und auch Trainer Ralf Rangnick („Er hat ein riesiges Spiel gemacht“) überschwänglich gelobt haben. Dieser Neustart mag Fährmann nun auch für den Ernstfall Meisterschaft beflügeln, hatten doch zuvor auch Zweifel an dessen Eignung als neue Schalker Nummer eins die Runde gemacht. Fährmann dürfte den innerbetrieblichen Konkurrenzkampf mit dem altgedienten Mathias Schober um den Stammplatz im Tor gewonnen haben.

Fährmann war auf Schalke der Held, Kevin Großkreutz der Buhmann. Der 23 Jahre alte Nationalspieler vom linken Flügel hat aus seiner Liebe zur Borussia und seiner Aversion gegen die Schalker nie ein Hehl gemacht. Großkreutz wurde nach einem Foul in der 66. Minute als einziger Dortmunder verwarnt, verweigerte einen Handschlag seines Gegenspielers Alexander Baumjohann und scheiterte unter dem Gejohle der Schalker Fans dann auch noch im Elfmeterschießen an Fährmann.

„Ralf hat gezeigt, dass er bereit ist, für den FC Schalke alles zu geben“, schwärmte dessen ebenso heimgekehrter Kollege Lewis Holtby, „gerade gegen die Nummer 19 von Dortmund. Das passt zur Geschichte dieses Spiels.“ Kevin Großkreutz, besagte Nummer 19, konnte darüber nur lachen: „Ist doch schön, dass mich so viele Menschen nicht mögen. Ich habe den Elfmeter schlecht geschossen, aber wir waren die haushoch überlegene Mannschaft, und die Liga kann sich auf uns freuen.“ Wiedersehen macht Freude – und so freuen sich auch Großkreutz und die Schalker schon auf das nächste Rendezvous zwischen dem 25. und 27. November, dann aber in Großkreutz’ riesigem schwarz-gelben Wohnzimmer, dem Dortmunder Stadion.

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