Susanne Eisenmann : ''Vorfreude ist nicht so spürbar''

Stuttgarts Sportbürgermeisterin Eisenmann über die anstehende Rad-WM, Doping und Millionenverluste.

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Susanne Eisenmann -Foto: ddp

Frau Eisenmann, bei der Turn-Weltmeisterschaft in Stuttgart haben die Zuschauer die deutschen Turner und vor allem Fabian Hambüchen gefeiert. Vor der Rad-WM wird fast nur über Doping gesprochen. Haben Sie es schon bereut, mit Stuttgart die Rad-WM auszutragen?

Den Zuschlag für die Rad-WM haben wir 2001 bekommen. Auch damals gab es schon Doping. Aber die Erkenntnis, dass Doping Teil des Systems zu sein scheint, die war nicht absehbar. Als Stadt konnten wir jetzt aber die Bedingungen mit formulieren, unter denen der Kampf gegen Doping ausgetragen wird. Man darf seine Rolle nicht überschätzen. Aber wir haben uns stark engagiert, das hat uns Respekt eingebracht. Es ist glaube ich ein Novum, dass sich eine Ausrichterstadt so sehr einmischt.

Sie leiten auch die Steuerungsgruppe der Rad-WM. Ist aus Ihrer Sicht alles getan worden, um das Dopen so schwer wie möglich zu machen?

Es gibt den Versuch eines glaubwürdigen Neuaufbaus. Derjenige, der schummelt, wird erwischt. Davon kann man ausgehen, und dafür beschreiten wir auch neue Wege.

Welche Wege meinen Sie?

Wir haben eine dreiseitige Anti-Doping-Vereinbarung getroffen, die der Bund Deutscher Radfahrer und der Weltradsportverband UCI unterschrieben haben. Auch die Athleten müssen sich verpflichten, sauber anzutreten. Wenn nicht jeder unterschrieben hätte, wären wir ausgestiegen. Wir werden nun bei der WM eine unabhängige Beobachtergruppe der Nationalen Anti-Doping-Agentur haben, wir haben einen Ombudsmann eingesetzt für alle, die anonym Verdachtsmomente äußern wollen. Und es gibt keine Akkreditierungen für dopingbelastete Trainer oder Fahrer, auch keine Karten als Ehrengäste. So eine Vereinbarung gab es noch nie.

Wie sieht es mit den Kontrollen aus?

In der Vereinbarung ist alles genau geregelt, zum Beispiel, wann wie kontrolliert wird. Das reicht bis an die Grenze des Zumutbaren für die Athleten, aber das muss man so akzeptieren. Wenn es sein muss, klingelt der Kontrolleur auch nachts um drei. Es sollen eben genau die herausgefischt werden, die den Radsport kaputtmachen. Jeder, den wir erwischen, ist mir recht. Es wird diesmal auch eine lückenlose Begleitung der Fahrer vom Ziel bis zur Dopingkontrolle geben, damit nicht mehr die Fehler auftreten, die bei der Tour de France passiert sind. Unsere Vereinbarung ist also sehr kleinteilig. Über die eine oder andere Nominierung kann man sich trotzdem nur wundern.

Sie meinen zum Beispiel, dass Erik Zabel nun mitfährt?

Formaljuristisch ist es verjährt. Unter Neuanfang stelle ich mir jedoch etwas anderes vor, und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine. Dafür ist es von großer Bedeutung, dass die UCI einen Streit mit dem spanischen Verband um dessen Nominierung von Alejandro Valverde eingegangen ist. Valverde nicht zu akzeptieren, fand ich richtig. Über Nominierungen können wir als ausrichtende Stadt nicht entscheiden, wir können sie nur kommentieren.

Bei der Bayern-Rundfahrt haben die Zuschauer Erik Zabel für sein Dopinggeständnis mehr gefeiert als kritisiert. Bundesinnenminister Schäuble ärgerte sich danach darüber, weil er in Zabel einen falschen Helden sieht. Wie wird es in Stuttgart sein?

Es gibt eine große Zurückhaltung beim Publikum, das merken wir auch beim Ticketverkauf. Es wird zwar akzeptiert, dass wir uns stark als Stadt gegen Doping engagieren, und wir haben in Stuttgart ein klasse Sportpublikum. Aber die Vorfreude wie sonst ist nicht so spürbar.

Das Bundesinnenministerium hat erst sehr spät seine finanzielle Förderung über 150 000 Euro ausbezahlt. Wie sieht es mit den Fördermitteln der Stadt Stuttgart aus?

Von den 5,3 Millionen Euro Gesamtbudget der Veranstaltung trägt die Stadt 2,3 Millionen. Aber die Sponsoren- und Ticketeinnahmen sind sehr zurückhaltend. Für die Tickets haben wir 600 000 Euro veranschlagt, für die Vermarktung haben wir eine Garantiesumme von 1,5 Millionen Euro vertraglich mit einer Agentur vereinbart. Doch die will sie nicht komplett bezahlen, weil es mit den Sponsoren schwierig läuft. Kann gut sein, dass wir schließlich eine Unterdeckung von fast einer Million Euro haben. Deshalb müssen wir mit der UCI und dem BDR nach der WM offen reden, dass das Defizit am Ende nicht allein vom Stuttgarter Steuerzahler ausgeglichen wird.

Das klingt mehr nach Sorge als nach Vorfreude.

Wir freuen uns erst einmal, dass die Veranstaltung endlich losgeht. Die Strecke ist schwer, die Zuschauer können viel sehen, es sind also gute Rahmenbedingungen, und wir werden ein sportliches Spitzenereignis erleben. Wir hoffen, dass auch Nachwuchsfahrer, gerade aus Deutschland, Erfolg haben, denn das wäre ein gutes Zeichen für einen Neuanfang. Wir haben uns dafür entschieden, gemeinsam gegen Doping zu kämpfen. Jetzt geben wir dem Radsport die Chance, sich zu bewähren.

Das Gespräch führte Friedhard Teuffel.

Susanne Eisenmann, 42, ist seit 2005 Bürgermeisterin der Stadt Stuttgart für Bildung, Kultur und Sport. Zuvor war sie Fraktionsvorsitzende der CDU im Stuttgarter Gemeinderat.

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