Sport : SV Babelsberg 03: Acht Neue, und nur einer kostet etwas

Karsten Doneck

Der Lärm des Presslufthammers dröhnt in den Ohren. Den Weg von der Kabine zum Spielfeld versperren herausgeschraubte, staubige Schalensitze. Gleich hinter der Tribüne steht ein Container, voll mit Bauschutt. Das so beschauliche Karl-Liebknecht-Stadion im Potsdamer Stadtteil Babelsberg wird derzeit tauglich gemacht für die Zweite Fußball-Bundesliga. Unbeeindruckt von allen Baumaßnahmen lud Trainer Hermann Andreev gestern die Spieler des Überraschungs-Aufsteigers Babelsberg 03 zum ersten Training für die neue Saison. Und alle sind guter Dinge. Präsident Detlef Kaminski hielt vor dem ersten Schweißvergießen in der Kabine eine kurze Ansprache. "Ich habe denen gesagt, die sollen nicht anfangen, auf einmal ganz neuen Fußball zu spielen und sich nicht unter Druck setzen lassen, sondern nur das spielen, was sie wirklich können", erzählte er hinterher.

In der Einkaufspolitik verfolgte Babelsberg 03 eine ebenso klare wie ungewöhnliche Linie: Genommen wurde nur, was umsonst zu haben war. "Wir sind bescheiden und zurückhaltend", sagt Kaminski. Spieler wie Marcell Fensch (Arminia Bielefeld) und Vladan Milovanovic (Lustenau) kamen ablösefrei, bei insgesamt acht Neuen musste der Zweitliga-Aufsteiger nur für Tonci Boban einen kleineren Geldbetrag an den FC Erzgebirge Aue überweisen.

An der rigiden Sparpolitik droht allerdings der beabsichtigte Transfer von Jens Härtel zu scheitern. Der Libero, früher 1. FC Union, hat sich in seinem Vertrag mit dem FC Sachsen Leipzig seine Ablösesumme festschreiben lassen. Die liegt bei 200 000 Mark. "Nicht akzeptabel", findet Kaminski diesen Betrag. Dass bei Sachsen Leipzig der Insolvenzverwalter ein- und ausgeht, weckte bei Oskar Kosche, dem Manager der Babelsberger, Begehrlichkeiten. Er meint, dass Härtels Vertragsklausel möglicherweise unwirksam sei. Ehe Babelsberg einen langwierigen Rechtsstreit anzettelte, bot Kosche den Leipzigern lieber "eine kleine Summe an, um die Sache abzukürzen". Doch der FC Sachsen stellte sich stur, pochte auf Zahlung der vollen Summe. Grund: Auch RW Erfurt hat plötzlich Interesse an Härtel und ist r bereit, mehr zu zahlen als Babelsberg. Gegen Härtels Wechsel nach Erfurt steht dessen Wort. Kosche: "Jens hat gesagt, er spielt nur noch für uns - und nirgendwo sonst." Wie dieser Knoten entwirrt wird, ist weiter offen.

Wie immer die Transfergeschichte um Jens Härtel nun auch ausgeht, ihren achten Zugang für die neue Saison haben die Babelsberger vor dem ersten Training noch schnell perfekt gemacht: Richard Slezak, 28 Jahre alt und Stürmer, kehrt nach einem Jahr beim tschechischen Erstligisten Ceske Budejovice zu den Babelsbergern zurück.

"Wir haben", meint Präsident Kaminski, "menschlich eine sehr homogene Truppe zusammen. Das wird wie im Vorjahr auch unsere Stärke sein."

0 Kommentare

Neuester Kommentar