Sport : SV Berliner VG 49: Ein Aufstieg mit Träumen

Hartmut Moheit

Sonne, Meer und Ruhe - Romy Reincke hat schon fast vergessen, wie das ist. "Mal drei Tage bin ich zuletzt mit meinem Freund weg gewesen, mehr war nicht drin. Wir würden gern einmal das Paradies Malediven erleben, dort tauchen und einfach die Seele baumeln lassen, aber daraus wird nun wieder nichts", sagt die sympathische 28-Jährige mit ein wenig Wehmut. Dabei war sie in den zurückliegenden zwei Jahren nur eine Zweitliga-Handballerin.

Seit gestern ist klar, dass die Anforderungen an sie und ihrem SV Berliner VG 49 bald wieder ungleich größer sein werden. Das Team aus Lichtenberg gewann vor 800 Fans das Lokalderby gegen die HSG Berliner TSC/Olympia sicher mit 28:20 (16:10). Mit einem Vorsprung von zwei Punkten und 26 Toren gegenüber dem Tabellenzweiten HC Empor Rostock (25:21 in Harrislee) sind die Schützlinge von BVG-Trainer Rüdiger Bones nur noch theoretisch einzuholen. Das letzte Spiel findet am nächsten Samstag beim HC Niederndodeleben statt. Der SV BVG 49 gehört damit seit Beginn der 90er Jahre zum dritten Mal der Ersten Bundesliga an.

"Das haben wir uns alle gewünscht", meint Romy Reincke, die zu ihren Zeiten in Frankfurt (Oder) das Gefühl eines Europacupsieges erfahren konnte. Dennoch hat sie sich Gedanken darüber gemacht, was gewesen wäre wenn ... "Wenn wir es wieder nicht geschafft hätten, dann wäre für mich sogar der Rücktritt ein Thema gewesen", meint sie. Das, obwohl sie selbst weiß, dass sie sich im besten Alter für eine Handballerin befindet. Aber ihr Betriebswirtschaftsstudium ("Eineinhalb Jahre noch") fordert sie hart. "Nur die Hektik zwischen Studium und Sport, dazu die Wochenendbeziehung, das ist es nicht", begründet sie. Als Romy Reincke das sagt, bleiben ein paar Zweifel, ob sie das alles wirklich so ernst gemeint hat. Zum einen fühlt sie sich bei BVG sehr wohl ("Wir sind jetzt eine Mannschaft ohne Stars, in der es Spaß macht"), zum anderen gehörte sie zuletzt wieder zum Kreis der Nationalmannschaft. Der neue Bundestrainer Leszek Krowicki hat sie nach dem Turnier in Liévin sehr gelobt, ohne ihr einen Stammplatz zu versprechen. Romy Reincke "sieht das Thema Auswahl gelassen", aber wenn es für BVG in der kommenden Saison sehr gut laufen würde, dann könnte sie plötzlich wieder mehr in den Blickpunkt kommen. Ihre Bescheidenheit verbietet es ihr, große Worte darüber zu verlieren.

Sie hat den neuen Vertrag bei BVG schon unterschrieben, das reicht erst einmal als Signal. Finanziell wäre sie woanders viel besser gestellt, aber aus Berlin möchte sie nicht mehr weg. Wenn die BVG, der Sponsor ihres Team, nun wenigstens für die Studentinnen und Schülerinnen eine Umweltkarte spendieren würde, dann würde das Ganze sich noch mehr lohnen. 82,- Mark für eine Studentenkarte, das wäre schon eine willkommene Ergänzung zum neuen Vertrag. Romy Reincke könnte sich das als Aufstiegsprämie ganz gut vorstellen. "Wie es jetzt aussieht, bin ich ja selbst im Urlaub in Berlin und würde sie nutzen", sagt sie. "Aber die Malediven, das bleibt mein Traum."

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