Sport : SV Werder Vålerenga

Elke Wittich

Der SV Werder Bremen war eigentlich immer ein sehr bescheidener Verein. Jetzt aber plant der Klub den großen Coup. Andere kaufen einen einzelnen Fußballer, Werder kauft einen ganzen Verein. Der Bundesligist denkt darüber nach, beim norwegischen Erstligisten Vålerenga IF einzusteigen, jenem Verein, der von Kjetil Rekdal trainiert wird, dem früheren Kapitän von Hertha BSC. Vereinspräsident Kjetil Siem war alles andere als erfreut darüber, dass die Geschichte gleich auf der Titelseite der zweitgrößten Boulevard-Zeitung "Dagbladet" präsentiert wurde. "Natürlich kann ich bestätigen, dass wir im Dialog sind", sagte Siem. "Der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Nachricht kommt jedoch sehr ungelegen. Wir wollen das Ganze eigentlich in Ruhe abhandeln."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Werder Bremens Pressesprecher Tino Polster war da schon aufgeschlossener: Die Chancen, bei Vålerenga einzusteigen, bezifferte er im Gespräch mit "Dagbladet" als "50:50", das Modell sei "sehr interessant". Werder könnte sich so die Exklusivrechte an Vålerenga-Spielern sichern und Hilfe bei der Suche nach norwegischen Talenten von anderen Klubs erhalten. Was ein Einstieg bei dem nur mäßig erfolgreichen Klub kosten würde, wurde nicht veröffentlicht. Insider schätzen, dass mindestens eine Million Euro, eher aber noch mehr fließen werden.

"Das von Vålerenga vorgeschlagene Modell enthält beträchtliche Investitionen mit Chancen und Risiken", sagt Polster. "Aber erst einmal werden wir in den nächsten Wochen die juristischen Aspekte eines solchen Handels prüfen lassen." Wenn sich dabei herausstellt, dass sich das Engagement in Oslo aus finanzieller und sportlicher Sicht lohne, werde Werders Manager Klaus Allofs nach Norwegen reisen, um den Verein selbst einmal in Augenschein zu nehmen.

In Norwegen ist die anfängliche Euphorie jedoch bereits ein wenig verflogen: Die Medien befürchten bereits, dass die schwierige Lage des Medienunternehmers Leo Kirch den Deal Werder-Vålerenga platzen lassen könnte, noch bevor er richtig ausgehandelt ist. "Obwohl Werder Bremen ein Verein mit solider Ökonomie ist, wäre es möglich, dass die derzeitige Unsicherheit über die TV-Gelder neue Investitionen schwierig macht", heißt es im "Dagbladet".

Zudem könnte Werders Einstieg bei Vålerenga für beide Vereine zu ungeahnten internationalen Verwicklungen führen. Qualifizieren sich etwa der deutsche und der norwegische Klub für den Uefa-Cup, müsste nach den derzeit geltenden Regeln einer auf den Start verzichten. "Darüber sind wir uns völlig im Klaren", sagt Kjetil Siem. "Wir arbeiten daran, die Vorschriften des europäischen Fußballverbandes von Juristen überprüfen zu lassen." Er werde keinen Vertrag unterschreiben, in dem diese mögliche Situation nicht klar geregelt sei. "Wir hoffen jedoch, eine Struktur zu finden, die für beide Vereine eine Cup-Teilnahme möglich macht", sagt Siem. Mauscheleien werde es jedenfalls nicht geben. "Es wäre ja sehr einfach, die Anteile eines anderen Vereins an VIF durch Strohmänner und Strohgesellschaften zu verschleiern", sagt Siem. "Das wollen wir auf keinen Fall. Wir wissen ja nicht, wie die Welt in drei Jahren aussieht - vielleicht haben sich bis dahin die Regeln geändert."

Eine internationale Zusammenarbeit, wie sie Werder nun vorschwebt, könnte dann vielleicht ganz alltäglich geworden sein. In Norwegen hat man damit jedenfalls bereits angefangen: Der Zweitligist FK Oslo Oest hat im Herbst vergangenen Jahres eine Kooperation mit Manchester United vereinbart.

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