Sport : Sven Hannawald: Der Nicht-Springer

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Nein, hatte Sven Hannawald in Innsbruck beteuert, er wisse noch nicht, ob er die Qualifikation in Bischofshofen auslassen werde. Dreimal hatte er das bis dahin getan, jedesmal hatte er daraufhin das anschließende Skispringen bei der Vierschanzentournee gewonnen. "Ich hatte gute Gründe, die Qualifikationen auszulassen", erklärte er. Selbst der Aberglaube würde bei der Entscheidung in Bischofshofen keine Rolle spielen. "Ich will schon die Qualifikation springen", sagte er, bevor er wieder nicht sprang.

Hannawald braucht bei der Qualifikation nicht zu springen, denn die ersten 15 der Weltrangliste sind auch so für den Wettkampf qualifiziert. Allerdings müssen sie dann im ersten Durchgang gegen die Trainingsbesten antreten. Für Hannawald war das dreimal kein Problem. Für die Zuschauer, die fürden Qualifikationstag 15 Euro Eintritt bezahlten, ist es nicht so schön, wenn sie den überragenden Mann der Vierschanzentournee nicht zu sehen bekommen. "Das verstehe ich", sagte Hannawald schon in Garmisch, "aber für mich ist am wichtigsten, dass ich mich auf mich konzentriere."

Auch RTL dürfte es nicht gerne sehen, wenn der Fernsehsender in seiner Live-Übertragung der Qualifikation ohne einen Sprung des neuen deutschen Sporthelden auskommen muss. "Deshalb gehen die Quoten aber nicht runter", sagt RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer. Und Hannawald erklärt: "Die Leute von RTL haben mich deshalb noch nicht angesprochen."

Es wird immer mehr zu einem Trend bei der Tournee. Im letzten Jahr hatte Martin Schmitt in Garmisch-Partenkirchen die Qualifikation ausgelassen, daraufhin hatten die Zuschauer zum ersten Mal ihren Liebling ausgepfiffen. Diesmal ließ Hannawald die Qualifikation gleich viermal aus und Schmitt zweimal. Letzterer allerdings in Bischofshofen wegen Knieproblemen. "Wir lassen das Knie jetzt 24 Stunden ruhen und dann hoffen wir, dass es hinhaut", sagte Mannschaftsarzt Ernst Jacob.

Obwohl die Qualifikation an Attraktivität verliert, gibt es beim Weltverband FIS keine Überlegungen, am Modus etwas zu ändern. "Die Qualifikation ist kein Produkt, an dem wir feilen", sagt FIS-Renndirektor Walter Hofer, "es ist ein Abfallprodukt." Es werde auch nicht daran gedacht, aus der Qualifikation etwas Herzeigbares zu machen, sagt Hofer. "Die Springer dürfen weiter wegbleiben." Hauptsache, sie springen am Tag danach.

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