Sport : Sven Ottkes Triumph: Und jetzt nach Amerika

Der achte Triumph eröffnet Sven Ottke glänzende Perspektiven. Nach dem überlegenen Punktsieg im IBF-Weltmeisterschaftskampf des Supermittelgewichts gegen Silvio Branco (Italien) schmiedete das Ottke-Team am späten Samstagabend Pläne für das Jahr 2001: In Magdeburg ist die Halle für den 24. März gebucht, der Gegner jedoch noch unbekannt. "Vielleicht", sagte Manager Wilfried Sauerland, "gehen wir aber auch in die USA. Uns liegt von dort ein Angebot vor. Sven soll gegen Dan Rosenblatt antreten." Dies ist ein Mann, den Silvio Brancos Manager Giulio Spagnoli zu den stärksten Supermittelgewichtlern der Welt zählt.

Die achte Titelverteidigung war für Sven Ottke keine Hürde. Vor 4500 Zuschauern in der Europahalle in Karlsruhe - seit Jahren der Wohnort des Berliners - kam der 33-Jährige gegen den ein Jahr älteren Römer in den zwölf Runden nie in Bedrängnis. Bei der Wertung hatten ihn der Deutsche Manfred Küchler und der Italiener Remigio Ruggeri mit 117 zu 111 vorn, Al Munoz aus den USA vergab 116 zu 112 Punkte. Als der als Ringsprecher verpflichtete Schauspieler Jan Fedder ("Großstadtrevier") die Zahlen verkündete, feierten die Karlsruher ihren Boxer.

Fast fünf Millionen TV-Zuschauer haben am späten Sonnabendabend die Box-Premiere der ARD miterlebt. Im Durchschnitt 4,94 Millionen Fan sahen Ottkes Kampf. "Ich hatte mir die Aufgabe schwieriger vorgestellt", sagte Ottke. Und Manager Sauerland ergänzte: "Nach zwei, drei Runden hatte sich Sven auf den Gegner eingestellt, da war der Kampf schon gelaufen." Voll des Lobes war auch Trainer Ulli Wegner: "Svens Klasse zeigt sich darin, dass er die Stärken des Gegners neutralisiert. Branco kann mehr, als er hier gezeigt hat." Die Vorstellung des Italieners war in der Tat bescheiden. Ausgestattet mit dem Oberkörper eines Bodybuilders erwies sich Branco als unbeweglich und hüftsteif. Seine Linke schlug er immer wieder stupide auf die Deckung des Champions, der mit fortschreitender Kampfdauer mehr und mehr Angriffslust verspürte und Branco überraschte. Es war der Sieg des intelligenteren, vielseitigeren Boxers.

Kämpfen möchte Ottke im kommenden Sommer um den Titel des Verbandes WBC. Zunächst plagt ihn jedoch ein geschwollenes rechtes Ohr ("da hat mich Branco mehrfach mit der Innenseite seines Handschuhs getroffen") und eine schmerzende Augenpartie. Aber das waren die einzigen Probleme, die Ottke mit seinem Herausforderer hatte, der als Weltmeister des unbedeutenden Verbandes WBU geführt wird.

Beim ersten Auftritt nach der K. o.-Niederlage gegen Glenn Catley war der ehemalige Weltmeister Markus Beyer (Köln) erfolgreich. Der Supermittelgewichtler bezwang den Algerier Ahmed Dine sicher nach Punkten. Trainer Wegner: "Man hat ihm die siebenmonatige Pause angemerkt, aber ich bin zufrieden und hoffe, dass Markus bald eine neue WM-Chance erhält."

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