Svetislav Pesic : Gut gelaunt und tatendurstig

19 Jahre nach einem Abschied als deutscher Basketball-Nationalcoach übernimmt Pesic das selbe Amt erneut. Wer ihm bei der offiziellen Vorstellung in Berlin zusieht, muss den Eindruck haben: Er kommt nach Hause.

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Zwischen Berlin und Belgrad. Svetislav Pesic, hier beim Einzeltraining mit Nationalspieler Robin Benzing, versucht den Spagat zwischen Nationalteam und Roter Stern.
Zwischen Berlin und Belgrad. Svetislav Pesic, hier beim Einzeltraining mit Nationalspieler Robin Benzing, versucht den Spagat...Foto: camera4

Berlin - „Alle komplett, ja?“ Svetislav Pesic strahlt bereits, als er den Raum betritt. Die Kameraobjektive klicken, als der 62-Jährige auf dem Podium Platz nimmt, das Schild auf dem Tisch vor ihm weist ihn als „Bundestrainer“ aus. Der Serbe lächelt entspannt in die Runde, bedenkt ein paar bekannte Gesichter mit einem wohlwollenden Nicken und lehnt sich locker im Stuhl zurück. 19 Jahre nach seinem Abschied als deutscher Basketball-Nationalcoach übernimmt Pesic dasselbe Amt erneut. Wer ihm bei der offiziellen Vorstellung in Berlin zusieht, muss den Eindruck haben: Pesic kommt nach Hause.

Auch Ingo Weiss, der Präsident des Deutschen Basketball-Bunds (DBB), ist sichtlich stolz, den Coach für sich gewonnen zu haben. „Sveti war mein Wunschkandidat“, sagt Weiss gleich zur Begrüßung über den Mann, der Deutschland 1993 zum EM-Titel geführt hat und anschließend auch mit Alba Berlin, dem serbischen Nationalteam oder dem FC Barcelona große Erfolge gefeiert hat. In der ihm eigenen selbstbewussten Art versucht auch Pesic, die Größe der Personalentscheidung zu verdeutlichen. „Einen Trainer wie Pesic zu finden“, sagt Pesic, „ist nicht einfach.“

Der Trainer ist dem deutschen Basketball immer verbunden geblieben. Sein Sohn Marko war bis vor kurzem Spielerberater, der Vater hat den Klienten des Sohnes im Sommer bisweilen Einzelunterricht erteilt. Pesic junior wohnt mittlerweile in München, wo er als Sportdirektor die Geschicke des Bundesliga-Aufsteigers FC Bayern lenkt, Pesic senior hat seinen Hauptwohnsitz immer noch in Berlin. „Berlin ist, wie jeder weiß, meine Stadt“, sagt Svetislav Pesic. Aber auch den Rest des Landes habe er nicht aus den Augen verloren: „Ich habe immer das Feeling gehabt, dass ich Teil der Entwicklung des Basketballs in Deutschland bin, mein Kontakt zum DBB war nie gebrochen.“

Nachdem Dirk Bauermann aufgrund seiner Tätigkeit als Trainer des FC Bayern nach der EM im vergangenen Herbst nicht mehr Bundestrainer bleiben durfte, hatte der DBB schnell Kontakt zum „Alten“ aufgenommen, wie Pesic von seinen ehemaligen Spielern genannt wird. Als Hindernis stellte sich heraus, dass der Serbe bei Roter Stern Belgrad unter Vertrag steht. „Ich habe nicht verhandelt, überhaupt nicht“, erzählt Pesic über die Gespräche mit dem DBB. „Das einzige Problem war die Frage: Ob ich das alles schaffe?“ Bis zum Ende der kommenden Saison wird Pesic den Spagat zwischen der Nationalmannschaft und Roter Stern versuchen, einen Vertrag hat er erst einmal nur bis zum Ende der EM-Qualifikation im August und September unterschrieben. Beide Seiten sind sich allerdings einig, dass die Zusammenarbeit deutlich länger dauern soll. „Per Handschlag“, wie Ingo Weiss sagt, habe man sich auf ein Engagement bis mindestens 2016 geeinigt, trotzdem wolle man sich jedes Jahr aufs Neue zusammensetzen. „Wir werden nach der Qualifikation analysieren: Was haben wir gut gemacht? Was sind unsere neuen Ziele?“, sagt Pesic.

Der Coach ist nicht dafür bekannt, im kleinen Maßstab zu denken. Pesic will mit Deutschland zur EM 2013 nach Slowenien, dann zur WM 2014 nach Spanien, Fernziel ist Olympia 2016 in Rio de Janeiro. „Das wichtigste ist, dass der DBB in professionelle, ständige Jugendarbeit investiert“, doziert Pesic und kündigt an, den Kontakt zu den Jugend-Auswahltrainern suchen zu wollen. Als Assistenten hätte er am liebsten einen deutschen Bundesliga-Trainer. Als ein Reporter seinen langjährigen Kapitän und heutigen Trierer Coach Henrik Rödl vorschlägt, scheint Pesic nicht abgeneigt. Zunächst will sich der neue alte Bundestrainer einen Überblick über die Kandidaten für die Nationalmannschaft verschaffen. Er hat im Sommer nur wenige Wochen Zeit, um sein Team für die EM-Qualifikation zu formen. Dirk Nowitzki wird dann nicht dabei sein, abgeschrieben hat Pesic den deutschen NBA-Star aber noch nicht: „Wenn Nowitzki sieht, dass sich die junge Mannschaft entwickelt und man etwas mit ihr gewinnen kann, wird er selber anrufen.“

Ingo Weiss hat gern seine Ruhe, als Freund langfristiger Lösungen sagt er gegen Ende der Vorstellung: „Ich möchte, dass Svetislav Pesic irgendwann bei uns in Rente geht.“ Pesic antwortet: „Da kannst du aber noch lange warten.“

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