Sport : Swiss Connection

Nach Marco Streller holt der VfB Stuttgart noch einen zweiten Schweizer: Hakan Yakin

Oliver Trust

Stuttgart. Stuttgarts Coach Felix Magath lobte ihn nach dem 45-Minuten-Einsatz beim 2:0 über Hansa Rostock als „spielentscheidende Figur“, sein früherer Trainer Christian Gross sagte ihm den baldigen Gewinn der deutschen Meisterschaft voraus, und der wichtigste Entertainer der Schweiz griff, gegen seine Ohnmacht anrennend, zum Telefon. „Ihr kauft den FC Basel leer“, hinterließ Beni Thurnheer auf dem Band einer Reporterin des Südwestrundfunks. Thurnheer moderiert in der Schweiz eine Samstagabend-Fernsehshow, und er zählt zu den exponierten Vertretern der helvetischen Fußballgemeinde, die gar nicht lustig findet, was da in Stuttgart passiert: die Invasion der Schweizer, die den zuletzt schwächelnden Schwaben zum Titel verhelfen sollen. „Sagscht dem Beni liebe Grüße“, hauchte Marco Streller, von dem sie beim VfB Stuttgart so viel erwarten und den sie in der Heimat so sehr vermissen. Marco Streller trug die Last ohne sichtliche Anstrengung.

Die mit Gel in Form gebrachte Dauerwelle zitterte leicht, als der 22-jährige, für 2,5 Millionen Euro aus Basel verpflichtete Stürmer die Reporterin einer Schweizer Tageszeitung wie eine Verwandte innig abbusselte. Dann klapperte er die Schweizer Kamerateams ab, eines nach dem anderen. Die werden jetzt wahrscheinlich öfter ins Gottlieb-Daimler-Stadion kommen, denn es bleibt nicht bei einem Schweizer in Stuttgarter Diensten. Gestern verpflichtete der VfB ebenfalls vom FC Basel den Schweizer Nationalspieler Hakan Yakin. Streller betrieb am Samstag schon mal Lobbyarbeit für den Basler Kollegen, der auf der Tribüne unter den 42 000 Zuschauern saß. „Er wird hier sicher helfen und ist eine Verstärkung“, sagte Streller, als sei er der Schweizer Fußballbotschafter im besonderen Auftrag.

Yakin sei einer, der Spielwitz mitbringt. Und den können die Stuttgarter im Mittelfeld dringend brauchen, so sehr quälten sie sich gegen defensive Rostocker, bis Alexander Hleb und Kevin Kuranyi in der zweiten Halbzeit die Tore schossen. „Wir sind mit Yakin klar, alles hat sich nur wegen der Ablösemodalitäten etwas verzögert“, sagte Felix Magath. Basels resolute Präsidentin Gigi Oeri hatte mit ihrem Stuttgarter Kollegen Erwin Staudt hart um die Ablöseentschädigung verhandelt: 2,5 Millionen Euro sollen es wohl sein, beide Seiten vereinbarten Stillschweigen. Yakin, der mit Basel in der Champions League für Furore sorgte und als toller Freistoßschütze gilt, war Felix Magaths Wunschkandidat.

Marco Streller erzählte seinem Landsmann schon mal vom höheren Tempo und den härteren Zweikämpfen in der Bundesliga. Magath forderte ihn auf, mehr Muskelmasse anzutrainieren, und entschwand nach England, um den Champions-League- Gegner FC Chelsea zu beobachten. Magath wirkte zufrieden. Er hat sich im internen Machtkampf gegen den Finanzchef Ulrich Ruf durchgesetzt und mit Boris Zivkovic, Streller und Yakin seine Verstärkungen bekommen. Rund zehn Millionen Euro inklusive Gehältern kostete die Einkaufstour. „Dafür haben wir jetzt mehr Möglichkeiten“, sagte der Trainer. Er kann den Druck auf seine jungen Spieler erhöhen und endlich mit zwei Systemen spielen. In Hälfte eins gegen Rostock mit einer Viererkette in der Abwehr, dann mit drei Defensivkräften. „Viele haben hier gemerkt, dass es nicht einfach so weiterläuft“, sagte Magath und verstieg sich zu der Erkenntnis, „dass wir jetzt angreifen können“. Er meinte die Meisterschaft und die gestiegenen Chancen der Stuttgarter im Duell mit der Millionentruppe aus Chelsea. Nach der langen Serie ohne Sieg vor Weihnachten habe das Selbstvertrauen gefehlt. Mit dem Sieg über Rostock und den Schweizer Helfern scheint es zurückgekehrt, nun sind sie als Bremen-Jäger zurück im Titelrennen, nicht die Münchner Bayern oder sonst wer.

„Früher war ich Fan von Dortmund“, sagte Marco Streller. „Heute mag ich die nicht mehr so.“ Nun sei er einer von Stuttgart; die hätten mit den Verlängerungen von Kuranyi und Hinkel gezeigt, dass etwas Großes wachse. Und: „Gegen eine Meisterschaft hätte ich nichts einzuwenden.“

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