Sport : Sydney-Bilanz: Schlechtes Management

Leistungssport-Direktor Armin Baumert hat in Berlin heftige Kritik an den deutschen Sportverbänden geübt und "unprofessionelles Management" für den Misserfolg bei den Olympischen Spielen in Sydney verantwortlich gemacht. "Dennoch ist das schwarze Loch, in das uns Alexander Leipold gerissen hat, viel größer als die Pannen der ersten Woche in Australien", sagte der ehemalige Weitspringer. Für den Spitzensport forderte Baumert "grundlegende Reformen, aber ein heißer Herbst hilft uns nicht weiter".

Baumert, Leitender Direktor des Bereichs Leistungssport (BL) des Deutschen Sportbundes (DSB), kündigte beim Forum des Verbandes deutscher Sportjournalisten (VDS) eine erste große Bilanz von Sydney für den 14. November in Frankfurt/Main an.

Der Leistungssport in den Verbänden "muss in Zukunft professioneller geführt, die Trainingskonzeptionen und das Management überarbeitet werden", forderte Baumert. Zentral sei für die Zukunft die Trainerfrage: "Bei den Trainern wurden Defizite fortgeschleppt. Vor allem auf den Gebiet des Trainereinsatzes müssen alte Zöpfe abgeschnitten und in Übereinstimmung mit dem Arbeitsrecht Reformen eingeleitet werden." Baumert forderte "Mut zu Veränderungen auf Verbandsebene in der Stellen- und Altersstruktur": "Es muss ein Zuschnitt auf fähige Kräfte unter neuen Anforderungen erfolgen, die hauptamtlichen Kader müssen effektiver arbeiten."

Außerdem verlangte Baumert eine Überarbeitung der Konzeption der Athleten-Förderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Es sei wenig leistungsfördernd, wenn 3700 Förderstellen namentlich auf acht Jahre festgeschrieben sind: "Das fördert bei den Athleten nur die Selbstsicherheit und verleitet zu Ruhestandsdenken. Außerdem dürfen künftig nicht mehr alle Sportarten gleich behandelt werden." In Sydney haben vor allem die Schwimmer, die eine optimale Olympia-Vorbereitung hatten, enttäuscht. Teilweise haben die Athleten ihre Zeiten, die sie bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin erreicht hatten, bei weitem verfehlt. Franziska van Almsick, die Weltrekordlerin über 200 m Freistil, hatte nicht mal das Finale über diese Distanz erreicht. Dabei war sie von einigen Experten sogar als Medaillengewinnerin betrachtet worden. Auch der Rückenschwimmer Ralf Braun, der ebenfalls als Medaillenkandidat gehandelt worden war, blieb weit unter seinen Möglichkeiten.

Entsetzt zeigte sich Baumert über den Dopingfall des Ringer-Olymiasiegers Alexander Leipold aus Schifferstadt. "Es fehlen mir die Worte, nachdem unser System schon durch Dieter Baumann erschüttert wurde. Dieser Fall reißt ein tiefes schwarzes Loch in den deutschen Sport. Wir können jetzt nicht mehr mit dem Finger auf die Welt zeigen", sagte Baumert.

Nach dem "Fall Leipold" sieht der ehemalige Leichtathlet sogar Schwierigkeiten, die nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) auf wirtschaftlich sichere Beine zu stellen. Zwar haben Bund und DSB ihre Bereitschaft erklärt, einen Teil des auf 20 Millionen Mark veranschlagten Stiftungskapitals bereitzustellen, aber auch klar gemacht, dass die Wirtschaft "den Löwenanteil der Finanzierung" leisten müsse.

Obwohl sich die deutsche Mannschaft in Sydney nicht unter den "Top Drei" behaupten konnte, wollte der DSB-Leistungssportdirektor sich die Bilanz "nicht schlechtreden" lassen: "Unsere Zielstellung, weiter zu den führenden Nationen des Weltsports zu zählen, haben wir erreicht. Gegenüber dem Staat und den Ländern haben wir für die 428 angetretenen Athleten die Plätze eins bis zehn als Maßstab genommen, und das ist uns in wesentlichen Teilen gelungen", sagte Baumert. In der Nationenwertung musste Deutschland mit Platz fünf zufrieden sein, hinter den USA, Russland, China und Australien.

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