Sport : Sylvain Couturier: Vor dem Ende der Qualen

Claus Vetter

Donnerstagmorgen in der Eissporthalle an der Jafféstraße. Die Spieler vom Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), den Capitals, absolvieren ihre letzte Übungseinheit vor dem Heimspiel gegen die Krefeld Pinguine am Freitag (Beginn 19.30 Uhr). Sylvain Couturier hat sich nicht umgezogen, steht an der Bande, beobachtet die Kollegen. Seit dem sechsten Spieltag war er nicht mehr auf dem Eis, ein kompliziertes Rückenleiden ist schuld. Nun droht ihm das Karriereende. "Ich war bei unzähligen Spezialisten", erzählt der Stürmer, "alle sagen das Gleiche. Eine Operation könne gemacht werden, doch der Erfolg ist nicht garantiert." Sämtliche Ärzte hätten ihm von dem Eingriff abgeraten, vom Sport allerdings auch.

Seit dem 11. März dieses Jahres ist der Kanadier nie mehr in Schwung gekommen. Da hatte Couturier beim Derby gegen die Eisbären einen Cross-Check abbekommen. "Danach habe ich mich durch die Play-offs gequält, gehofft, dass im Sommer schon alles besser werden würde - vergeblich." Ein schwacher Trost für den Kanadier ist, dass er in einem Alter zurücktreten muss, in dem andere aus eigenen Stücken aufhören. 1988 begann die Profi-Laufbahn des inzwischen 32-Jährigen, vielversprechend: Von den New Haven Nighthawks aus der American Hockey League (AHL) ging es gleich im ersten Jahr zu den Los Angeles Kings in die nordamerikanische Profiliga NHL. Dort sollte er allerdings nicht so im Rampenlicht stehen wie etwa der damalige Topstar der Kings - ein gewisser Wayne Gretzky. Couturier absolvierte nur 33 Partien für Los Angeles, verdingte sich ab 1992 in Ligen unterhalb der NHL.

Als sich der Weg zurück in die NHL als zu steinig erwies, wechselte Couturier 1997 in die DEL. Nach einem Jahr bei den Revier Löwen Oberhausen schloss er sich den Capitals an. Wenn es seinerzeit bei den Berlinern zwei Akteure gab, die eine verkorkste Saison persönlich als Erfolg werten konnten, dann waren es Guillet und Couturier. Die Frankokanadier erzielten damals die meisten Treffer für die Capitals. Und schließlich hatte sich Couturier am Ende jener Saison auch noch im Toreverhindern üben können. Als beim letzten Spiel alle Keeper der Capitals verletzt waren, stellte sich der Stürmer ins Tor - ein Novum in der DEL. An der 4:5-Niederlage in Rosenheim traf Couturier übrigens keine Schuld. "Vier Tore waren unhaltbar, 15 Schüsse habe ich sogar pariert", erinnert er sich und lacht.

Eine amüsante Anekdote in einer langen Karriere, deren Ende bevorsteht - auch wenn es noch nicht ganz amtlich ist. Erst in der kommenden Woche könne man Genaues zur Zukunft von Sylvain Couturier sagen, meint Capitals-Sprecher Peter Harbig. Dass es wohl nur noch darum geht, Begleitumstände einer Vertragsauflösung oder Möglichkeiten für einen Antrag auf Sportinvalidität von Couturier zu klären, ist sehr wahrscheinlich.

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