Sport : Symbol des Mailänder Spiels Paolo Maldini: Torschütze nach 51 Sekunden

Armin Lehmann

Istanbul - 51 Sekunden in der Nachspielzeit können sehr lang sein. 51 Sekunden am Beginn gehen manchmal sehr schnell. Schneller als es mancher Zuschauer in einem Fußballstadion oft begreifen kann. 51 Sekunden also sind gespielt im Finale in Istanbul in der Champions League, und der Mann für die Rekorde beim AC Mailand reißt überrascht die Arme hoch. Sekundenbruchteile ruht das Spiel im Atatürk-Stadion, dann haben es alle Anwesenden verstanden: Es steht 1:0, der Torschütze ist „el capitano“, der Mannschaftsführer. Er heißt Paolo Maldini. Vielleicht ist es das schnellste Tor, das je in einem Finale geschossen wurde. Von rechts hatte der junge Brasilianer Kaka geflankt, und in der Mitte stand Maldini, drehte sich mit seinem rechten Bein elegant in den Ball und bugsierte ihn volley unhaltbar für Liverpools Torwart Dudek ins obere linke Eck. Es war das erste Finaltor Maldinis, und das ist bei all den Endspielen, die der Italiener bestritten hat, schon eine Erwähnung wert.

Maldini, das bedeutet italienische Fußballdynastie, allein schon wegen des Vaters Cesare, ehemals Fußballer und Nationaltrainer. Cesare Maldini war ein guter Spieler, aber sein Sohn hat ihn schon längst an Ruhm und Erfolg übertroffen.

Paolo Maldini, das liest sich in der Statistik so: 1,85 Meter groß, 85 Kilogramm schwer. Mit sechzehn Jahren spielte er zum ersten Mal für den AC Milan, und seit jenem 20. Januar 1985 hat er für keinen anderen Klub gespielt. Er ist das Symbol des Mailänder Spiels. Er ist hübsch, fein, pragmatisch und solide. Im Gegensatz zu den Mailänder Fans ist Maldini auch ein Diplomat, ein Meister des Opportunismus sagen seine Kritiker. Seine vielen Trainer hat er nie kritisiert, aber er hat sie auch nicht verteidigt, wenn sie mal wieder vom Patron, von Klubbesitzer und Italiens Ministerpräsident, Silvio Berlusconi, gefeuert wurden.

Maldini hat nie Ärger gehabt, nicht im Verein nicht außerhalb. Seine Ehe hält seit langem, Affären und Skandale sind ihm unbekannt. Das Wichtigste aber ist: Maldini ist ein Verteidiger, der technisch so versiert ist wie kaum ein anderer. Manche nannten ihn zu seiner besten Zeit den „besten linken Verteidiger der Welt“. Er foult kaum, er hat den Blick für das richtige Timing, um den Gegenspieler zu attackieren, hart, aber in den meisten Fällen fair.

Zählt man den Europapokal der Landesmeister mit, steht Maldini in Istanbul zum siebten Mal im Finale der Champions League, viermal konnte er den Pokal schon zuvor gewinnen. „Mein Herz klopft genauso schnell wie vor dem ersten Finale“, hat Maldini vor dem Spiel gegen Liverpool gesagt. Nach 51 Sekunden aber wird es noch heftiger geklopft haben. Und auch während der 120 aufregenden Spielminuten, die Maldinis frühen Tor folgen, sieht man ihm sein Alter nicht an. Noch immer ist er jugendlich, fast teenagerhaft, dabei wird er in wenigen Tagen 37. Aber der alte Mann kann es eben noch ganz gut neben den anderen Denkmälern in der Hintermannschaft des AC Mailand: Cafu, 35, Alessandro Nesta, 29, Jaap Stam, 33. Vielleicht ist die Abwehr des AC Mailand das letzte Beispiel dafür, dass man mit guter Technik auch im modernen Fußball alt werden kann. Paolo Maldini ist der Beweis.

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