Symbole : Fäuste, Flaggen, Volkslieder: Olympia war immer politisch

Seit es die Olympischen Spiele gibt, waren sie Schauplatz für politische Auseinandersetzungen. Eine Auswahl von Szenen der Konfrontation, des Protestes und der Versöhnung.

Lars Spannagel
OLY 1936 JESSE OWENS-LUZ LONG
Jesse Owens, amerikanischer Superstar der Olympischen Spiele von Berlin 1936, und sein größter Rivale, der deutsche Weitspringer...Foto: AFP

1906

Der irische Leichtathlet Peter O’Connor reist mit zwei anderen Iren zu den inoffiziellen Zwischenspielen nach Athen. Dort erfahren die drei, dass sie für Großbritannien antreten müssen, weil Irland kein eigenes olympisches Komitee besitzt. Aus Protest erklimmt Weitsprung-Silbermedaillengewinner O’Connor während der Siegerehrung einen Fahnenmast und hisst die irische Flagge.

1908 Bei der Eröffnungsfeier in London brüskiert der amerikanische Fahnenträger das englische Königshaus, weil er die Flagge nicht als Zeichen der Ehrerbietung vor Edward VII. senkt. Finnische Sportler weigern sich, unter der Fahne der russischen Besatzer einzulaufen.

1936 Bei den Spielen in Berlin freundet sich der deutsche Weitspringer Carl Ludwig „Luz“ Long mit Jesse Owens an, obwohl die nationalsozialistische Propaganda gegen den schwarzen US-Amerikaner hetzt. Als Owens nach zwei Fehlversuchen auszuscheiden droht, hilft ihm Long, seinen Anlauf umzustellen. Der Deutsche gewinnt Silber hinter dem vierfachen Olympiasieger aus den USA.

1956 Kurz vor den Spielen in Melbourne schlagen Truppen der UdSSR einen Aufstand in Budapest nieder. Bei Olympia nehmen die ungarischen Wasserballer Rache am sowjetischen Team. In einem überharten und blutigen Match vor einem fanatischen Publikum steht es 4:0 für die Ungarn, als die Polizei die Partie abbricht und die Sowjetrussen aus der Halle eskortiert. Ungarn gewinnt Gold im Finale gegen Jugoslawien.

1956, 1960, 1964 Die beiden deutschen Staaten treten bei den Spielen in Melbourne, Rom und Tokio gemeinsam an. Auf der schwarz-rot-goldenen Flagge der deutsch-deutschen Mannschaft sind als verbindendes Symbol die olympischen Ringe zu sehen.

1968 Die afroamerikanischen Sprinter John Carlos und Tommie Smith zeigen bei der Siegerehrung über 200 Meter den Black-Power-Gruß, um auf die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den USA aufmerksam zu machen. Smith und Carlos werden von den Spielen in Mexiko City ausgeschlossen.

2000, 2004 Die Mannschaften Nord- und Südkoreas laufen bei den Eröffnungsfeiern in Sydney und Athen gemeinsam ein. Eine neutrale Olympia-Flagge ersetzt die Fahnen der verfeindeten Staaten, anstelle der Nationalhymnen wird ein koreanisches Volkslied gespielt.

2004, 2008 In Athen kämpft Judoka Arash Miresmaeili aus dem Iran nicht gegen den Israeli Ehud Vaks – weil der Iran seinen Sportlern verbietet, gegen Israel anzutreten. In Peking startet Irans Schwimmer Mohammad Alirezaei nicht über 100 Meter Brust, der Israeli Tom Beeri ist im selben Lauf gemeldet. Laut iranischen Angaben ist Alirezaei krank.

2008 Die Schützinnen Nino Salukwadse aus Georgien und die Russin Natalia Paderina setzen ein Zeichen: Obwohl sich ihre beiden Länder im Krieg befinden, umarmen sie sich bei der Siegerehrung.

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