Sport : Symbolischer Umzug

Warum Berlin Thunder ab heute im Olympiastadion spielt

André Görke

Berlin. Die Anwohner werden bestimmt irritiert sein, das ahnt Manager Michael Lang. „In der Nacht zu Sonntag werden wir im Olympiastadion das Licht anlassen“, sagt er, und falls da jemand am Abend nicht einschlafen konnte, sorry, „aber wir können nicht mit Taschenlampen arbeiten“. Für Lang ist es ein stressiges Wochenende. Am Sonntagnachmittag um 16 Uhr geben die Footballer von Berlin Thunder ihr Debüt im Olympiastadion, zu Gast ist das Düsseldorfer Team von Rhein Fire. Da am Samstagnachmittag aber noch Hertha BSC im Olympiastadion gegen den VfL Bochum spielte, konnten die Umbauarbeiten erst am späten Abend beginnen. Die Tribünen wurden gereinigt, Werbebanden ausgetauscht. Und da so ein Fußballplatz anders aussieht als ein Spielfeld für American Football, mussten in der Nacht zu Sonntag neue Kreidelinien gezogen werden.

Um 13 Uhr schon öffnet das Stadion, dann beginnt die Power-Party mit Cheerleader-Auftritten, Bullenreiten und Biergarten. „Wir rechnen mit 13 000 Zuschauern“, sagt Lang. In den fünf Heimspielen werden Thunder im Olympiastadion 20 000 Plätze zur Verfügung stehen, ausschließlich auf der Haupttribüne. In den vergangenen Jahren hat der Klub im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg gespielt. „Aber jetzt sind wir so weit“, sagt Lang. „Wir wollen sehen, ob wir den Schritt schaffen.“

Der Schritt. Es wird ein großer Schritt werden, raus aus der Nische, hin zur echten Alternative in der Stadt. Die Sportart American Football soll sich in Berlin etablieren – der Umzug ins Olympiastadion ist eine Art symbolischer Akt. Thunder hatte einen Schnitt von etwa 10 000 Fans, eigentlich hätte der Klub weiterhin in Prenzlauer Berg spielen können. So richtig professionell wirkte das kleine Stadion am Mauerpark aber nicht. Etwas pompöser sollte es schon sein. Schließlich spielt die Konkurrenz auch in großen Stadien. Rhein Fire etwa in der Arena Auf Schalke, dem Fußballstadion von Schalke 04, Frankfurt Galaxy im Waldstadion, die Scottish Claymores im Hampden Park.

Doch diese Klubs spielen vor gut gefüllten Tribünen. Der Zuschauerschnitt von Frankfurt Galaxy lag in der vergangenen Saison bei 34 000 Zuschauern. In Berlin jedoch gibt es viele Alternativen, Fußball, Eishockey, Basketball. Das ist die eine Sache. Die andere ist grundsätzlich, Lang nennt es das „alte Berliner Problem“. Menschen aus dem Ostteil würden in den Westen gehen, „die echten West-Berliner aber haben mit dem Osten immer noch Bauschmerzen“.

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