System verändert : Die starke Defensive der Eisbären

Die Eisbären haben das beste Torverhältnis in der DEL – weil sie ihr Defensivsystem verändert haben. Am Sonntag spielen sie in der Berliner Arena gegen Ingolstadt.

Claus Vetter

Wenn Don Jackson auf die Strategie im Spiel seiner Mannschaft angesprochen wird, dann sagt der Trainer der Eisbären Berlin immer ein Wort zuerst. „Disziplin“, das sei für ihn die wichtigste Voraussetzung, um ein Eishockeyspiel zu gewinnen. „Es gibt viele Spielphilosophien, aber wer kann schon voraussagen, wo der Puck hingeht?“ Jedenfalls in dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht so häufig ins Tor von Jacksons Eisbären: Beim 3:2-Erfolg am Freitag in Iserlohn demonstrierten die Berliner einmal mehr, wie stark sie in der Defensive sind. Nur 63 Gegentore in 26 Spielen haben sie bislang kassiert – nur Mannheim hat in der Liga einen besseren Wert.

Warum sind die Eisbären zurzeit so schwer zu bezwingen? Im Vergleich zu den jüngsten Jahren, als bei den Offensivspektakeln schon mal ein 7:6-Erfolg gegen Düsseldorf herauskam, spielen die Berliner nun vorsichtiger. Sie lassen die Gegner seltener in eine gute Schussposition oder überhaupt in ihr Drittel kommen. „Die Verteidigung fängt für uns bereits in der Offensive an“, sagt Jackson. Verlieren die Eisbären in des Gegners Drittel den Puck, versuchen sie, sich in der neutralen Zone möglichst schnell zu organisieren. Die Direktive für die beiden Außenstürmer sei, keine überflüssigen Ausflüge hinter das Tor des Gegners zu unternehmen, sagt Jackson. Bei Puckverlust sollen die Außen in die neutrale Zone zurücklaufen, um dort die Passwege für den Gegner abzuschneiden. Die Verteidiger versuchen derweil, schon an der roten Mittellinie „möglichst nah am Puck zu sein“.

Mit dieser Taktik bekommt der Gegner wenig Raum, sich mit Pässen durch das Mitteldrittel nach vorn zu arbeiten. Besonders spielstarke Teams, die nicht den Puck an der Bande entlang ins gegnerische Drittel dreschen, bekommen so gegen die Eisbären Probleme. In der Champions League hatten Kärpät Oulu und Metallurg Magnitogorsk oft Schwierigkeiten, den Puck ins Drittel der Eisbären zu kombinieren. Magnitogorsks Verteidiger Jewegeni Warlamow stellte nach dem 1:2 der Russen in Berlin fest: „Die Eisbären sind sehr diszipliniert und spielen ein starkes defensives Spiel. Die zwingen dich, für jeden Zentimeter Raumgewinn auf dem Eis hart zu arbeiten.“

Eine große Stärke der Berliner Spieler ist ihr Verständnis auf dem Eis. Das Team ist zusammengewachsen und nicht – wie bei vielen Konkurrenten in der DEL der Fall – jedes Jahr neu zusammengeschustert worden. Und die Eisbären legen Wert darauf, dass ihr Team weiter wächst. Sie lehnen ihr Spielsystem im Nachwuchs an das der DEL-Mannschaft an, besonders für das Oberligateam, die Eisbären Juniors, gilt das. Jeff Tomlinson, früher Trainer der Juniors, jetzt Kotrainer beim DEL-Team, sagt: „Wenn ein junger Spieler jetzt in unser DEL-Team kommt, dann weiß er, was für ein System er spielen muss.“ Für ausgereift hält Tomlinson die Taktik noch nicht. „Es ist ein Prozess. Wir haben eben einige Spieler, die von Haus aus offensiv sind. Mit denen müssen wir viel über die Defensive reden.“

Es lässt sich den Eisbären trotz guter Defensivarbeit nicht unterstellen, dass sie vor dem Tor des Gegners zurückhaltend wären. „Wir haben die beste Tordifferenz in der DEL“, sagt Jackson. „Und das macht mich besonders stolz.“ Die Eisbären haben mit 98 Toren in dieser Saison am häufigsten getroffen (auch wenn da ein 11:0 im ersten Heimspiel gegen Augsburg kräftig mitgeholfen hat).

Das System Eisbären ist also momentan besonders erfolgreich. Es schränkt den Raum für Überraschungen ein. „Mehr können wir nicht machen, das Spiel bleibt schließlich doch ein Mysterium“, sagt Trainer Jackson. „Das ist auch gut so, sonst würden keine Zuschauer mehr zum Eishockey kommen.“ Die Gefahr besteht in Berlin nicht, die Eisbären erwarten am Sonntag im Spiel gegen den ERC Ingolstadt (Beginn 14.30 Uhr) wieder mehr als 13 000 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof. 1000 davon reisen mit einem Sonderzug aus Ingolstadt an.

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