Sport : Szenen einer Motoren-Ehe

Ferrari und Sauber: Warum Formel-1-Teams auf Partnerschaften setzen

Karin Sturm

Melbourne. Ferrari ist nicht alleine. Das Weltmeisterteam führt momentan mit Sauber vor, wie eine Partnerschaft in der Formel1 aussehen kann. Das Schweizer Privatteam bekommt von Ferrari die Motoren einige Millionen Dollar günstiger und dazu einige technische Neuerungen hier und dort. Allerdings nicht ohne Gegenleistung: Sauber musste den Brasilianer Felipe Massa, der 2003 Ferrari-Testpilot war, wieder als zweiten Fahrer akzeptieren. Und das, obwohl man ihn Ende 2002 schon einmal vor die Tür gesetzt hatte. Zudem erklärte sich Sauber bereit, im Winter Reifentests für Ferrari zu übernehmen. Ein Faktor, der für die Italiener besonders wichtig ist. Als einziges Spitzenteam benutzen sie die Reifen des japanischen Herstellers Bridgestone. Auf diese Weise bekommen sie eine Vergleichsmöglichkeit.

Angesichts des neuen Reglements in der Formel 1 hilft es den Spitzenteams, jemanden zu haben, auf den man im Zweifelsfall einen Teil der Arbeit abwälzen kann. Die Regeln besagen, dass die Motoren das ganze Rennwochenende lang halten müssen. Andererseits muss schon nach den beiden ersten Trainingsstunden die Reifenwahl für den Rest des Wochenendes getroffen werden. Ferrari kann dabei auch auf die Erfahrungen von Sauber profitieren.

Auch politisch unterstützt Sauber seinen Partner. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich Peter Sauber in kritischen Fragen einmal gegen die Position von Ferrari-Rennleiter Jean Todt stellt. Manchmal schaut er auch an einem Freitagvormittag vor oder während des Freien Trainings kurz mit einem speziellen Wunsch bei Sauber in der Box vorbei.

Bei den Ferrari-Konkurrenten sieht man diese Entwicklung auch, doch die Interpretation fällt unterschiedlich aus. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sieht eine Gefahr darin, dass ein Weg vorgegeben wird, dem andere Große folgen müssen. Er hält das für alles andere als glücklich. Nicht allein aus Kostengründen, sondern vor allem aus sportlichen. „Es kann doch nicht der Sinn der Sache sein, dass wir bald nur noch fünf echte Top-Teams am Start haben - und fünf Helferteams, die letztlich vor allem dazu da sind, die Großen zu unterstützen.“

Theissen fürchtet unter anderem dass solche Helferteams Renn- und WM-Ausgänge auf unsportliche Weise beeinflussen könnten: Beispielsweise durch Blockademanöver beim Überrunden. Letztes Jahr in Monza etwa gab es schon einmal einen solchen Verdacht, als der damalige Sauber-Pilot Heinz-Harald Frentzen Michael Schumachers WM-Konkurrenten Juan-Pablo Montoya extrem lange im Weg herumfuhr. All diese Bedenken äußerte Theissen auch bereits gegenüber FIA-Präsident Max Mosley – eine Reaktion gab es aber noch nicht. „Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass er sich zuvor mit diesem Problem überhaupt noch nicht auseinander gesetzt hatte.“

Bei McLaren-Mercedes schien man in der vergangenen Saison kurz davor zu sein, sich so etwas Ähnliches wie ein B-Team zu schaffen. In jener Zeit, als über einen Motorenverkauf von Mercedes an Jordan die Rede war, dachten viele Beobachter, nun würde man auch bei den Silbernen dazu übergehen, sich Unterstützung zu sichern. Doch dann kam der Deal nicht zustande – was wohl auch ein bisschen an der Person und am Image des potenziellen Partners Eddie Jordan lag. Heute betont man bei Mercedes, immer noch die Philosophie zu vertreten, dass es besser sei, sich auf ein einziges Team zu konzentrieren. Mercedes-Sportchef Norbert Haug glaubt nicht daran, dass die Vorteile überwiegen. „Wenn das zweite Team nicht fast gleich schnell ist, mindestens innerhalb einer halben Sekunde, dann stelle ich es mir sehr schwierig vor, konkrete Schlüsse zu ziehen“, sagt Haug, „Ich halte es für eher unwahrscheinlich, dass so etwas zur Regel wird, da gibt es wirklich dringlichere Probleme.“

Zum Beispiel den neuen, langweiligen Qualifying-Modus: Fast eine Stunde Einzelzeitfahren, nur, um die Startreihenfolge für das eigentliche Qualifying zu bestimmen. „Das ist sinnlose Zeitverschwendung und produziert nur Langeweile“, sagte Rubens Barrichello. Ob sich in absehbarer Zeit etwas ändert? „Möglich wäre es“, sagt Teamchef Frank Williams, „in diesen Bereichen lässt das Reglement eventuell auch Veränderungen während des laufenden Saison zu – wenn sich alle einig sind.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben