Sport : T-Mobile zahlt Ullrich weiter sein Gehalt

Hartmut Scherzer

Dax - Der von T-Mobile wegen seiner Verstrickung in den spanischen Dopingskandal suspendierte Radprofi Jan Ullrich will seine Laufbahn nicht beenden. „Es geht nicht ums Geld“, sagte Ullrichs Manager Wolfgang Strohband. „Es geht um Jans Radsport-Karriere, darum kämpfen wir.“ Auf die Vorwürfe und Anschuldigungen könnten Ullrichs Anwälte derzeit nicht antworten und reagieren. „Ihnen liegen noch keine Anklagepunkte von Olaf Ludwigs Anwälten vor. Wir erfahren bisher alles nur aus den Medien. Uns liegt nichts vor“, sagte Strohband. Als Beleg für die Unschuldsvermutung gegenüber seinem Klienten verweist der Manager auf „elf unangemeldete Dopingkontrollen“ bei Ullrich in diesem Jahr neben den routinemäßigen Dopingproben bei den Rundfahrten Giro d’Italia und Tour de Suisse.

T-Mobile-Teamchef Olaf Ludwig hatte am Montag in Bordeaux eingeräumt, dass – anders als beim fristlos gekündigten Sportlichen Leiter Rudy Pevenage – die Sachlage bei Jan Ullrich nicht klar sei. Der Teamchef dementierte auch Meldungen, dass Zahlungen an Ullrich bereits eingestellt worden seien. „Das ist nicht wahr“, sagte Ludwig. „Die nächste Rate ist in einer Woche fällig, und ich sehe keine Veranlassung, das Gehalt für Juli nicht zu überweisen.“

Jan Ullrichs Vertrag läuft zum Jahresende aus. Seine jährlichen Bezüge sollen 2,5 Millionen Euro betragen. Christian Frommert, Leiter der Internationalen Kommunikation, Abteilung Sport, bei T-Mobile sagte dazu: „Ich werde Ludwigs Aussage nicht kommentieren. Die Juristen sitzen daran und werden dann schon sagen, wie in dieser Sache weiter vorzugehen ist.“ Spannend bleibt die Frage, wie Radsportverbände und Sportgerichte auf die Verdächtigungen reagierem. „Es liegt bei Jan ja keine positive Dopingprobe vor“, sagt selbst Ludwig zur komplizierten Situation. Anders als seine Vorgängerin Sylvia Schenk, die 2002 nach der „Pillenaffäre“ – Ullrich hatte Extasy eingenommen, angeblich bei einem Diskotheken-Besuch – eine neunmonatige Dopingsperre gegen Ullrich verhängt hatte, ist Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), in diesem neuen Dilemma fein raus. Der BDR ist für Ullrich, der seinen Wohnsitz in der Schweiz hat, nicht zuständig – anders als der Schweizer Verband Suisse Cycling.

Seit er in Scherzingen am Bodensee wohnt, fährt Ullrich mit einer Schweizer Lizenz Radrennen. Suisse Cycling hat Erfahrung mit prominenten Dopingfällen. Die eigenen Landsleute Oscar Camenzind, Alex Zülle, Laurent Dufaux, Armin und Roland Meier, aber auch der in Ascona lebende Deutsche Danilo Hondo wurden gesperrt.

Erik Zabel, jetzt Team Milram, lässt sich seine Sicht der Kalamitäten seines jahrelangen Weggefährten Ullrich nicht entlocken. „So lange mir nichts vorliegt, in schriftlicher Form , sollte ich mich am besten dazu nicht äußern“, sagt Zabel. „Es ist sehr gefährlich, wenn sich jetzt ein Zabel über Ullrich äußert.“ Er habe Angst, sagt Zabel, dass seine Aussagen falsch interpretiert werden könnten. Das wirkt ein wenig kryptisch, zeugt aber auch nicht von großer Verbundenheit zum einstigen Teamgefährten: Zabel hatte das Team T-Mobile (früher hieß es Team Telekom), 2005 nach 13 Jahren verlassen – weil Jan Ullrich den Sprinter Erik Zabel bei der Tour de France 2005 nicht mehr in seinem Team haben wollte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben