Tabellen-Diskussion : Wer nicht schwänzt, der punktet

Seit dieser Saison gibt es in der Basketball-Bundesliga auch für Niederlagen einen Punkt. Die Tabelle ist verzerrt, der Unmut ist groß.

Lars Spannagel

Berlin - Wenn Alba Berlin das Heimspiel am Mittwoch (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) gegen die Düsseldorf Giants gewinnen sollte, müsste der Basketball-Bundesligist mit sieben Siegen und zwei Niederlagen eigentlich die Tabellenspitze übernehmen. Zumindest wäre das in den vergangenen Jahren der Fall gewesen. Doch in dieser Saison kann Alba mit einem Sieg am Mittwochabend höchstens auf den dritten Rang klettern. Seit dem Beginn dieser Saison sieht die Tabelle der Basketball-Bundesliga (BBL) anders aus: verzerrt. „Das ist eigentlich ein Witz“, sagt Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi.

Auf Anweisung des Weltverbands Fiba erhält die siegreiche Mannschaft wie bisher zwei Punkte, aber auch das unterlegene Team bekommt noch einen Zähler. Die Fiba will damit erreichen, dass die Klubs zu den Spielen auch tatsächlich antreten. „Wir sind rechtlich verpflichtet, Beschlüsse der Fiba zu übernehmen“, sagt BBL-Geschäftsführer Jan Pommer. „Aber die neue Regelung ist noch unbefriedigender, als wir befürchtet haben.“

Die Auswirkungen auf die Tabelle sind klar: Teams, die aufgrund von Europapokal-Einsätzen oder Spielverlegungen weniger Partien gespielt haben, sind im Nachteil gegenüber Mannschaften, die schon häufiger angetreten sind. Alba liegt derzeit mit sechs Siegen aus acht Spielen auf Rang sechs – weit hinter den zweitplatzierten Frankfurtern, die ebenfalls sechsmal gewonnen, aber schon viermal verloren haben. Ulm hat sieben seiner zehn Saisonspiele verloren, hat aber nur einen Punkt weniger als die Berliner. In ihrer Hallenzeitung drucken die Berliner mittlerweile zwei Tabellen ab – die alte und die neue. Bei einem oberflächlichen Blick auf die neue Tabelle bekomme „der normale Nutzer ein falsches Bild“, sagt Baldi. Schließlich geht der Blick als Erstes auf den Tabellenplatz. Erst bei genauerem Hinsehen wird einem bewusst, dass alles irgendwie ganz anders ist. „Das kann nicht die letzte Lösung sein“, sagt Baldi, „aber die BBL ist ja schon am Machen.“

Die neue Tabellenrechnung wird nicht nur bei den Profis, sondern in allen Ligen des Deutschen Basketball-Bunds (DBB) angewendet. So mancher Amateurspieler reibt sich seit dem Saisonstart verwundert die Augen, weil es sein Team unverhofft an die Tabellenspitze gespült hat.

In der BBL-Zentrale ist man höchst unzufrieden mit der Situation. Das Hauptproblem: „Was den Sportfan am meisten interessiert, nämlich der aktuelle Leistungsstand der Mannschaften, wird von dieser Tabelle nicht ausreichend dargestellt“, sagt Pommer. „Dabei wollen wir es unseren Fans und denen, die es noch werden wollen, nicht so schwer machen.“ Andere europäische Ligen wie die spanische ACB berechnen ihre Tabellen nach wie vor mit der altbekannten Wertung. Pommer will sich mit dem DBB zusammensetzen, bis zum Start der kommenden Saison wird sich aber kaum etwas ändern.

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