Tabellenführer : Treffen, um bei Hertha zu bleiben

Andrej Woronin ist jetzt der beste Torschütze von Hertha BSC - und will in Berlin seinen letzten Vertrag unterschreiben.

Stefan Hermanns
woronin
Hertha: Zwei. Andrey Woronin zeigt's an. -Foto: ddp

Berlin - Es ist nicht ganz klar, was Andrej Woronin gerade treibt. Macht er sich vereinsschädigenden Verhaltens schuldig, weil er seinen Transferwert mit jedem Treffer für Hertha BSC in immer höhere Höhen steigert? Oder schießt er die Berliner mit seinen Toren in die lukrative Champions League und erweitert damit erst die Finanzmittel, die Hertha für seine Verpflichtung benötigt? Bisher ist der Ukrainer nur ausgeliehen vom FC Liverpool. Woronin ist nach dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach gefragt worden, ob er die Ablöse für sich am Ende selbst besorge. „Soll ich mich vielleicht selbst bezahlen?“, fragte Woronin zurück. „Das mach ich nicht.“

Im Juli wird er 30 Jahre alt

Seinen Wunsch, in Berlin zu bleiben, hat der Stürmer zuletzt mehrmals dokumentiert. Er habe zwei kleine Kindern und schon deshalb keinen Bock mehr, mit all seinen Klamotten noch einmal durch Europa zu reisen. Zum Billigtarif ist Woronin, der in Liverpool vier Millionen Euro im Jahr verdient, für Hertha trotzdem nicht zu haben. „Das ist vielleicht der letzte Vertrag, den ich abschließe, auf jeden Fall mein letzter guter“, sagt Woronin, der im Juli 30 wird. „Da muss alles passen.“

Der Ukrainer tut gerade alles, um sich bei den Berlinern unentbehrlich zu machen. Gegen die Gladbacher erzielte er das wichtige 1:0, mit sieben Treffern ist er nun auch Herthas bester Torschütze. „Ich bin überhaupt nicht traurig, dass Andrej wichtige Tore schießt“, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Das macht seinen Wert aus.“ Es steigert aber auch seinen Preis und macht andere Klubs erst richtig auf ihn aufmerksam. „Ich weiß, dass andere Mannschaften interessiert sind“, sagt Woronin. „Aber Hertha ist immer noch mein erster Ansprechpartner.“

Favre: "Für jede Abwehr ist es schwierig, ihn zu stoppen"

Natürlich wissen auch die Berliner längst, was sie an Woronin haben, der Ende August als Notkauf gekommen ist und sich als echte Verstärkung erwiesen hat. „Er hat uns viel gebracht“, sagt Trainer Lucien Favre. Dabei kannte er den Ukrainer im Sommer gar nicht richtig. Favre hielt ihn für einen Außenbahnspieler und musste sich erst eines Besseren belehren lassen. „Er besitzt Spielintelligenz, ist technisch sehr stark, bewegt sich richtig und wagt was nach vorne“, sagt Favre. „Es ist für jede Abwehr schwierig, ihn zu kontrollieren.“

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass es sich Hertha eigentlich gar nicht erlauben kann, Woronin nicht zu verpflichten. Das heißt andererseits, dass es für den derzeit verletzten Marko Pantelic in Berlin keine Zukunft mehr geben wird. Beide hochpreisigen Stürmer kann sich Hertha definitiv nicht leisten. Mit jedem Tor drängt Woronin seinen Kollegen und Konkurrenten Pantelic weiter in den Hintergrund, verringert auch den Abschiedsschmerz der Berliner Fans, die eine innige Beziehung zu Pantelic pflegen.

Die Mannschaft favorisiert eher den Teamplayer Woronin als den Ex- und Egozentriker Pantelic. „Wir haben endlich einen Stürmer, der Topspiele entscheidet“, sagt Pal Dardai. „Das war nicht immer so.“ Andrej Woronin hat nicht nur gegen den Tabellenletzten Mönchengladbach getroffen, sondern auch gegen Leverkusen, Hoffenheim und die Bayern. Marko Pantelic hat seine Tore gegen Bielefeld, Hannover, Köln und Frankfurt erzielt – und gegen die Bayern, im Hinspiel zum 1:4-Endstand. Stefan Hermanns

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