Täglich früh : Was in der Nacht geschah: Bronze gewinnen statt verlieren

Jeden Morgen früh um acht Uhr hier: die Rückschau auf die Nacht. Heute mit dem kleinen Unterschied zwischen Platz drei und Platz vier sowie der Anklage einer 23.

Ingo Schmidt-Tychsen

Thomas Lurz hat wahrscheinlich nicht an seine Kollegin gedacht, als er in dieser Nacht vor Freude über seine Bronzemedaille sagte: "Bei Olympia kann man nur von gewonnen reden, wenn man eine Medaille holt." Der Marathon-Schwimmer hatte sich gerade 10 Kilometer durchs offene Wasser gequält, er hat die erste Medaille dieses Tages für Deutschland geholt.

Der deutschen Marathon-Schwimmerin Angela Maurer aber dürfte der Satz von Lurz wie Ironie in den Ohren geklungen haben. Sie hatte die 10 Kilometer einen Tag vorher absolviert - und dafür übrigens nur 7 Minuten und 38 Sekunden länger gebraucht als Lurz, nämlich 1:59:32 Stunden. Die 38 Jahre alte Maurer hatte im Schlussspurt aber - ja, den bringen die Langstrecken-Schwimmer auf den letzten Metern noch - drei Konkurrentinnen, die alle kurz vor Ihr am Ziel anschlugen. Thomas Lurz hatte mehr Glück. Der Würzburger befand sich am Ende des langen Rennens lediglich noch in einer Dreiergruppe, in der er, wie Maurer in ihrer Vierergruppe, den letzten Platz belegte.

Der kleine Unterschied: eine Medaille

Maurer mit knapp einer Sekunde Rückstand, Lurz mit zweien. Der Unterschied: eine Medaille. Das soll die Leistung des sechsfachen Weltmeisters Lurz auf keinen Fall schmälern. Eine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen, erkämpft in fast zwei Stunden "Ich-kämpfe-gegen-meinen-inneren-Schweinehund", das ist großartig! Aber der durchaus angebrachte Vergleich mit der doch so ähnlichen Leistung von Maurer zeigt, dass eben auch Dinge Einfluss auf den Erfolg von Athleten haben, auf die die Athleten keinen Einfluss haben. Maurer hatte drei starke Konkurrentinnen, Lurz nur zwei. Es hätte auch umgekehrt sein können. Deshalb ist auch der vierte Platz der Angela Maurer ein großer Erfolg. Aber wie sagte schon der Berliner Diskuswerfer Robert Harting: "Mit einem vierten Platz kann man wenige Rechnungen bezahlen."

Geherin behauptet, dass die Konkurrenz gedopt sei, besonders "die Russin"

Natürlich kann man die Ursachenforschung für eine mäßige Platzierung auch übertreiben. Pauschale Vorwürfe an die Konkurrenz muten schon komisch an nach dem 23. Platz von Melanie Seeger über 20 Kilometer Gehen. "Ich habe hier das unfairste Rennen meiner Karriere erlebt“, sagte die Potsdamerin laut Agenturberichten diese Nacht. "Die Spitze kann Zeiten gehen, da können wir trainieren, so viel wir wollen. Ich kann es nicht fassen. Das ist einfach nur traurig." Die 31-Jährige hatte dabei Tränen in den Augen. "Ich hoffe, dass die große Bombe platzt und wir unsere Chance bekommen.“

Im Dauerregen wurde Olga Kaniskina aus Russland Olympiasiegerin. „Die Russin kommt aus einer Trainingsgruppe, wo die Hälfte gedopt ist“, sagte Seeger über die Weltmeisterin, die in 1:26:31 Stunden sehr überlegen vor der Norwegerin Kjersti Platzer (1:27:07) gewann. Nun, besonders verwunderlich wäre es nicht, wenn auch beim Gehen ordentlich gedopt würde. Aber solche öffentlichen Vorwürfe gegen "die Russin" sollte man dann auch belegen können.

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