Täglicher Anruf im Dorf : "Wir hatten keinen Bock zu verlieren"

Fünf Fragen an Hockey-Nationalspieler Tibor Weißenborn: heute über den Sieg gegen Spanien und den Bundestrainer.

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Hockey-Star Tibor Weißenborn

Hallo Herr Weißenborn, Glückwunsch zum Sieg über Spanien. Ihre Mannschaft hat sich im Vergleich zu den vorherigen Spielen deutlich gesteigert. Wie erklären Sie sich das?

Wenn wir verloren hätten, wäre das Turnier für uns vorbei gewesen, da hatten wir überhaupt keinen Bock drauf, deshalb haben wir uns heute richtig reingehauen.

Jetzt ist wieder alles offen. Mit einem Sieg über Neuseeland am Dienstag kann Ihr Team sich aus eigener Kraft fürs Halbfinale qualifizieren. Welches Ziel hat sich Ihre Mannschaft eigentlich gesetzt?

Unser Zwischenziel ist das Halbfinale. Aber wenn wir das erst einmal erreicht haben, dann wollen wir auch die Goldmedaille. So haben wir das als Team vereinbart.

Mit dem alten Bundestrainer Bernhard Peters hat es sehr konkrete Zielvereinbarungen gegeben. Vor der Weltmeisterschaft 2006 hat er mit jedem einzelnen Nationalspieler einen Vertrag abgeschlossen, in dem sich die Spieler zu ganz konkreten Trainingsleistungen verpflichtet haben. Gibt es so etwas unter Weise auch?

Nein. Auch mit Weise haben wir Zielvereinbarungen, das ist sehr wichtig für mich. Ich muss wissen, dass sich auch die anderen einem bestimmten Ziel unterordnen und dafür arbeiten. Im Unterschied zur der Zeit von Bernhard Peters richten sich die Ziele jetzt eher an Teile der Mannschaft. Zum Beispiel wird von der Abwehr ganz konkret etwas gefordert. Das Kollektiv oder zumindest größere Teile dessen stehen eher im Blickpunkt. Bernhard Peters hat sich jedem sehr viel individueller gewidmet. Auf diesen Vertrag von Limburg hatte ich manchmal einen ganz schönen Hals, der hat mich genervt – aber letztlich habe ich dadurch wohl doch etwas mehr trainiert, als ich es sonst getan hätte. Und letztlich waren wir ja auch sehr, sehr erfolgreich. Peters ist ein autoritärer Trainer, Weise lässt den Spielern größere Freiräume.

Was liegt Ihnen denn eher?

Bei Bernhard Peters war jede Spielsituation, jeder einzelne Spielzug bis ins kleinste Detail geplant. Man konnte als Spieler wenig selbst entscheiden. Sicher gab es auch Situationen, in denen man etwas Individuelles machen durfte. Aber das war doch eher die Ausnahme. Es stand eben immer zu befürchten, dass von Außen ein kritischer Kommentar kommt. Unter Markus Weise haben wir mehr Freiheiten, ich kann auch mal ausbrechen und etwas Unkonventionelles starten. Mir kommt das sehr entgegen. Und der jungen Mannschaft die wir jetzt haben auch, habe ich das Gefühl.

Haben die Trainer eigentlich auch Gemeinsamkeiten?

Im taktischen Bereich ist vieles ähnlich. Wie wir ein Spiel aufbauen, wie wir den Gegner unter Druck setzen, daran hat sich kaum etwas geändert. Das Alte hat sich ja schließlich auch bewährt.

Das Gepräch führte Ingo Schmidt-Tychsen.

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