Sport : Täter und Mittäter

Wen weihte Robert Hoyzer wann in seine Manipulationen ein?

Sven Goldmann

Berlin - Der 25. Januar 2005 war ein Dienstag, und für Robert Hoyzer galt noch die Unschuldsvermutung. Bodo Brandt-Chollé, Schiedsrichter-Ansetzer des Berliner Fußball-Verbandes, telefonierte an diesem Tag mit Hoyzer. „Ich habe ihm gesagt: Robert, wenn du unschuldig bist, brauchst du nichts zu befürchten“, erinnert sich Brandt-Chollé. „Robert hat geantwortet: Und wenn ich schuldig bin, dann ziehe ich so viele Leute mit wie möglich.“

Zwei Tage später legte Hoyzer ein Geständnis ab, seitdem wirft er mit Namen und Details um sich. Schon am 1. Februar tauchten nach Hoyzers erster Aussage vor der Staatsanwaltschaft die Porträts von 13 vermeintlichen Mittätern auf der Titelseite der „Bild“-Zeitung auf. Zwei von ihnen, der Fußballspieler Steffen Karl und der Schiedsrichter Dominik Marks, wurden am Ende angeklagt. Beim Prozess vor dem Berliner Landgericht plaudert Hoyzer gern über Marks. Aus seinen Worten fügt sich das Bild eines von Geldgier zerfressenen Kollegen, der jedes von ihm zu leitende Spiel zur Manipulation angeboten habe. Hoyzer dagegen will auf dem Absprung gewesen sein, als der Betrug aufflog. Zudem habe er nie Außenstehenden von seinen Manipulationen erzählt, nicht einmal seinem besten Freund Oliver Kelm und dessen Zwillingsbruder Marcus. Nicht einmal bei einem Mallorca-Urlaub mit dem mutmaßlichen Wettmanipulator Ante S. und den Kelms will Hoyzer mit seinen besten Freunden über Manipulationen gesprochen haben. Der unausgesprochene Vorwurf der Verteidigung von Ante S. lautet: Hoyzer habe über die Gebrüder Kelm auf die von ihm manipulierten Spiele gewettet.

Andreas Pretzsch hat sich ein wenig gewundert, als er davon hörte, wie wenig Hoyzer seinen besten Freunden anvertraut haben will. Pretzsch gehört als Schiedsrichter zur Lehrgemeinschaft Charlottenburg, die früher von Hoyzer geleitet wurde. Im Februar dieses Jahres telefonierte er mit Oliver Kelm. Der habe erzählt, ihm sei das alles nicht neu: Hoyzer habe ihn schon im Sommer 2004 bei einer Grillparty der Fußball-Kirchenliga in die Manipulationen eingeweiht. Pretzsch war überrascht: „Warum hast du ihm das nicht ausgeredet?“ – „Du kennst doch Robert.“ Immerhin habe Hoyzer ihm, Kelm, zugesagt, nur in der Regionalliga und nie in der Zweiten Liga zu manipulieren.

Diese Darstellung spricht nicht gerade für Hoyzers Verschwiegenheit. Auch die vielen Telefonate zwischen ihm und seinen besten Freunden unmittelbar vor und nach von ihm manipulierten Spielen erscheinen jetzt in einem anderen Licht. Wie war das etwa mit den 1000 Euro, die Marcus Kelm auf das von Hoyzer zu manipulierende Regionalligaspiel zwischen den Amateuren des VfL Wolfsburg und Fortuna Düsseldorf setzen wollte? Warum telefonierte Kelm an diesem 11. August 2004 eineinhalb Stunden vor Spielbeginn mit dem Schiedsrichter und eröffnete gleichzeitig ein Internet-Konto beim Wettanbieter „Betandwin“?

Es stand schon mal besser um Hoyzers Glaubwürdigkeit. Dominik Marks kann das nur recht sein. Er will heute seine Einlassung vor Gericht verlesen lassen.

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