Sport : Tag der Eintracht

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Frankfurt (Main). „Bye bye Bayern“, tönte Klaus Toppmöller im Herbst 1993. Seine Mannschaft, Eintracht Frankfurt, mit Stein, Bein und Yeboah war mit 20:2 Punkten in die Saison gestartet und hatte den FC Bayern München besiegt. Am Ende wurde München Meister. Von da an ging es mit Eintracht Frankfurt bergab. Heute hat das Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga einen schleichenden Abstieg hinter sich, der vor kurzem in der „Katastrophe“ (Präsident Peter Fischer) endete, dem Sturz in die Regionalliga. Heute entscheidet sich vor dem Schiedsgericht der Deutschen Fußball-Liga (DFL), ob die Eintracht Frankfurt AG doch noch die Lizenz für den bezahlten Fußball erhält.

„Bye bye Bayern“ – der Ausspruch passt zur Selbstüberschätzung der ständig wechselnden Eintracht-Verantwortlichen. Diese Realitätsferne erklärt auch, dass Präsident Fischer, als die Lizenz-Unterlagen eingereicht waren, den 17. Juni zum „Tag der Eintracht“ ausrief, bevor der Ausschuss entschieden hatte. Die Lizenz wurde verweigert.

„Wird ein Verein zur Kapitalgesellschaft, braucht er Profi-Strukturen“, sagt ein Wirtschaftsprüfer. „In Frankfurt aber behielten Pullover-Träger ihre Posten.“ Heute mache Management die Tabelle: „Gut geführte Vereine stehen oben, chaotische unten." Verwundert vernahmen Frankfurts Verantwortliche, dass die Eintracht für Ministerpräsident Koch und die Landesbank Hessen-Thüringen „nicht anders zu behandeln ist als jedes hessische Unternehmen“. Und so erhielt sie die entscheidende Bürgschaft nur mit Bedingungen. Transfereinnahmen sollten die Bürgschaftssumme von vier Millionen Euro verringern. Dies akzeptierte die DFL nicht.

Die Liste Frankfurter Fehler ist lang: Die besten Spieler wurden vergrault. Seit 1999 verbrauchte der Verein acht Trainer. Im April 2000 fehlten dem Verein bereits zehn Millionen Euro. Der Klub lebte in einer eigenen Welt. Der Meister von 1959, Pokalsieger (1974, ’75, ’81, ’88) und Uefa-Pokalsieger (1980) wähnte sich noch auf einer Stufe mit den Großen, als er längst in Liga zwei spielte.

Das neue, 150 Millionen Euro teure Stadion wird gebaut, weil die Stadt sich verpflichtet hat, 2006 ein WM-Stadion zu stellen. Für Frankfurts Sportdezernent Achim Vandreike (SPD) hat der Abstieg „keinen Einfluss“ auf den Bau. Ein Projekt dieser Größe sei nicht vom Schicksal „eines Zweitligavereins“ abhängig. Doch wer soll die Großarena füllen, wenn nicht eine erstklassige Eintracht? Aber das kann dauern. Abgestürzte Traditionsvereine gibt es viele: Fortuna Düsseldorf, Rot-Weiß Essen oder 1. FC Magdeburg. IHK-Präsident Wolf Klinz sagt, „die verworrenen Finanzen, ständigen Führungswechsel, Machtkämpfe und Intrigen“ schreckten Investoren ab. Laut einer Umfrage der „FAZ“ ist die Marke Eintracht bei Sponsoren inzwischen „negativ besetzt".

Demnächst wird die Eintracht in der Regionalliga Süd spielen, gegen Pfullendorf, Wehen und Hoffenheim. Vielleicht können die Frankfurter wieder tönen: „Bye bye Bayern.“ Wenn die Eintracht die Amateure des FC Bayern abhängt. Gerhard Mauerer (HB)

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