Sport : Tage des stillen Genießens

1860 München hat sich auf Platz drei geschlichen

Detlef Dresslein

München. Es sind dies die Tage des stillen Genießens für alle Fans des TSV 1860 München. An der Säbener Straße, beim stets so superioren FC Bayern, findet ein Inferno statt, blamiert man sich sportlich wie administrativ. Und das ewig im Schatten stehende weiß-blaue Münchner Fußball-Unternehmen von der Grünwalder Straße ist derweil unbemerkt auf Platz drei der Bundesliga-Tabelle geklettert. Für gewöhnlich dürfen sich die Sechziger wie ein überflüssiges Anhängsel fühlen. Bestenfalls beachtet man sie, wenn es darum geht, ein neues Stadion zu bauen. Sonst wird der TSV 1860 vom FC Bayern ignoriert. Was ja fast schon schlimmer ist, als bekämpft zu werden.

Aber im Gegensatz zu den Bayern hat der TSV 1860 in dieser Saison alles richtig gemacht. Und das mit weit weniger finanziellem Aufwand und ohne überhöhte Erwartungen zu wecken. Trainer Peter Pacult spricht nie vom besten Kader aller Zeiten. Ob er das ist, sei dahingestellt. Ein guter ist es auf jeden Fall. Die ehemals arg wacklige Abwehr wurde mit den Billig-Brasilianern Costa und da Silva und dem aufstrebenden Schweizer Remo Meyer stabilisiert. Dahinter wacht mit Simon Jentzsch ein Keeper, der in diesem Jahr den Höhepunkt seiner Schaffenskraft erreicht zu haben scheint. Fünf mal blieben die Münchner bereits ohne Gegentor, auch gegen die Spitzenteams Hertha BSC, Schalke und Werder Bremen. „Das hat natürlich zum größten Teil mit der Abwehr zu tun“, sagt Jentzsch, „aber auch der Sturm arbeitet nach hinten, und wir sind taktisch flexibel.“ Nicht nur flexibel, weil mehrere gut ausgebildete Spieler zur Verfügung stehen, sie sind auch taktisch moderner als zu Zeiten des Trainers Werner Lorant.

Seit einem Jahr ist Lorants Lehrling Pacult nun Cheftrainer. Doch noch immer wird er kritisch beäugt, viele trauen ihm nicht viel zu. Doch schon in der letzten Saison gab der Österreicher der desolaten Sportgruppe neuen Antrieb. Und der bisherige Saisonverlauf spricht ebenfalls für ihn. Sein Vorteil: Er gilt intern als noch härter als Lorant, ist aber lange nicht so stur. Bei ihm hat jeder Spieler eine Chance, sei es ein alter wie Thomas Häßler oder ein junger aus dem Amateurkader.

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