Sport : Tage wie dieser

Ein unnötiger Platzverweis, ein verschossener Elfmeter und ein unglückliches Gegentor – beim 0:1 der Deutschen gegen Serbien kam vieles zusammen

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Ab in die Mitte.
Ab in die Mitte.Foto: ddp

Es gibt Tage, an denen geht gar nichts, und an manchen geht noch weniger als gar nichts. Lukas Podolski hat alles versucht am Freitag in Port Elizabeth, meist mit roher Gewalt, aber seine Schüsse gingen mal links vorbei am Tor und mal rechts. Im entscheidenden Moment wollte der Kölner es mal mit Gefühl probieren, aber auch das klappte nicht. Sein Elfmeter flog mit so wenig Tempo und Raffinesse auf das Tor, dass Vladimir Stojkovic sich keine große Mühe geben musste bei der Abwehr. „Poldi hat schon wichtige Elfmeter geschossen und auch verwandelt, deshalb hat er auch heute geschossen“, sagte Bastian Schweinsteiger. Das war nach einer Stunde eine der beiden Szenen, in denen sich das Schicksal der deutschen Nationalmannschaft entschied bei dieser kuriosen 0:1 (0:1-)Niederlage im zweiten WM-Vorrundenspiel gegen Serbien.

38 300 Zuschauer im Nelson-Mandela-Bay-Stadion von Port Elizabeth sahen, was man bei einer WM so oft nicht zu sehen bekommt. Dazu gehörte neben Podolskis verschossenem Elfmeter noch Gelb-Rot gegen Miroslav Klose nach zwei Vergehen, für die der Fußballjargon den Begriff „Allerweltsfoul“ kennt. Ausgerechnet Klose und Podolski, am Sonntag beim 4:0 über Australien noch die Helden der deutschen Mannschaft, hatten es zu verantworten, dass es im letzten Vorrundenspiel am Mittwoch in Johannesburg gegen Ghana schon um alles oder nichts geht. „Wir haben ein Endspiel gegen Ghana“, sagte Lukas Podolski.

Ein Ausscheiden kommt laut Joachim Löw nicht infrage. „Wir sind jetzt ein bisschen mehr unter Druck“, sagte der Bundestrainer, „aber wir werden die nächste Runde auf jeden Fall erreichen. Wir haben es immer noch selbst in der Hand.“ Miroslav Klose wird dabei nicht mithelfen können. Sein Platzverweis, so umstritten er auch sein mag, hat auf jeden Fall eine automatische Sperre zur Folge. „Das ist doch immer noch Fußball, ein Kampfsport“, maulte der Münchner.

Nun kann man den spanischen Schiedsrichter Alberto Undiano pedantisch nennen und überempfindlich. Aber dass er diesen Stil pflegt, sollten die Deutschen gemerkt haben, nach fünf Gelben Karten in den ersten 33 Minuten, keiner einzigen lag ein schweres Foul zugrunde. Warum Klose dann doch im Niemandsland an der Mittellinie so burschikos und ungeschickt nachsetzte, dass er Dejan Stankovic in der 37. Minute auf den Fuß trat, das wird er seinen Kollegen und dem Bundestrainer noch genauer zu erklären haben.

Die Deutschen rangen noch um Orientierung bei der Umstellung ihres Systems von zehn auf neun Feldspieler, da lief Milos Krasic auf der linken deutschen Abwehrseite mal wieder dem Münchner Holger Badstuber davon und flankte hoch vors Tor. Philipp Lahm war wohl von der Sonne geblendet, Per Mertesacker sprang zu spät und nicht so hoch wie Nikola Zigic, von dessen Kopf der Ball erst zu Milan Jovanovic und dann ins Tor flog.

Jetzt hatten die Serben, was sie haben wollten: eine Führung, die ihnen ein noch defensiver geprägtes Spiel ermöglichte, dazu noch gegen eine dezimierte Mannschaft, die das Risiko suchen musste. In diesem Sinne versuchten die Deutschen, das Tempo zu erhöhen, und das hätte kurz vor der Pause sogar beinahe zum Ausgleich geführt, doch ein Gewaltschuss von Sami Khedira prallte von der Latte zurück ins Feld.

„Die Mannschaft hat auch in Unterzahl alles gegeben, um zumindest noch ein Unentschieden zu erreichen“, befand Joachim Löw. In der Tat hatten auch zehn Deutsche mehr vom Spiel als elf Serben. Und sie hatten Torchancen: Bastian Schweinsteiger legte sich nach Lahms öffnendem Pass den Ball zu weit vor und schoss kurz darauf von der Strafraumgrenze zu unplatziert. Dann war Podolski dran: Erst setzte er den Ball aus spitzem Winkel neben die rechte Ecke, danach ans linke Außennetz.

Und als Serbiens Abwehrchef Nemanja Vidic nach einer Stunde bei einer an sich harmlosen Flanke genauso unnötig im Strafraum mit der Hand zum Ball ging, wie es sein Kollegen Zdravko Kuzmanovic im ersten Spiel gegen Ghana getan hatte, durfte Podolski zur Exekution vom Elfmeterpunkt schreiten. Mit dem bekannten Misserfolg. „Der eine Schuss gegen Australien geht rein, und heute gehen sie halt daneben“, sagte der Kölner und wirkte dabei keineswegs am Boden zerstört.

An den finalen Angriffsbemühungen durften sich auch noch die eingewechselten Offensivkräfte Cacau, Marko Marin und Mario Gomez beteiligen. Entsprechend eng wurde es in der Platzhälfte der Serben, die überhaupt nicht daran dachten, öfter als nötig die Mittellinie zu überqueren. Wenn sie sich dann doch mal nach vorne wagten, wurde es fast immer gefährlich. Die größte Chance bot sich ihnen, als Krasic mal wieder Badstuber austrickste und Jovanovic bediente, aber der traf diesmal nur den Pfosten.

„Vor einer Woche sind wir noch hochgelobt worden. Jetzt sieht es ein bisschen anders aus“, sagte Bastian Schweinsteiger. „Es wird nicht leicht, gegen Ghana zu gewinnen.“

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