Paralympics-Tagebuch (4) : Unvorstellbare Atmosphäre

Bei den Alpin-Wettkämpfen spielt das Wetter nicht mit. Raphael Menke macht aus der Not eine Tugend und schaut beim Sledgehockey-Spiel Kanada gegen Schweden vorbei. Eine Entscheidung, die er nicht bereut.

Raphael Menke[Vancouver]
2010 Paralympic Games- Day 2
Einfach genial. Die Stimmung beim Sledgehockey ist fast vergleichbar mit der beim olympischen Eishockeyturnier. -Foto: AFP

Am Donnerstag machten wir eine Stadttour zusammen mit Jens Jäger, ein Rollstuhlcurler des deutschen Teams, um unter anderem herauszufinden wie behindertengerecht Vancouver ist. Die Antwort schlicht und einfach: Sehr! An jeder Ampel gibt es abgesenkte Bürgersteige, zu fast jedem Geschäft führen Rampen und bei Treppen bringen Fahrstühle die Rollstuhlfahrer in den entsprechenden Stock. Doch nicht nur die Infrastruktur von Vancouver ist hervorragend, auch die Menschen machen den Aufenthalt hier unvergesslich: Jens Jäger wurde sehr oft angesprochen, damit Passanten mit ihm ein Foto machen konnten, Unbekannte begrüßen einen herzlich in Kanada und verschenken Pins.

Bei der Eröffnungsfeier wurde Millionen von Zuschauern weltweit eine Show geboten, die das Ansehen der Spiele widerspiegelt. Die Paralympics stehen zu Recht nicht mehr im Schatten der Olympischen Spiele und sind mittlerweile zum zweitgrößten Multisport Event herangewachsen. Zehntausende von Zuschauern in Vancouver jubelten den hereinfahrenden Sportlern zu. Ein unter Arthrogrypose (Gelenkverkrümmung) und Skoliose leidender Breakdancer überraschte die Zuschauer, als er mit seiner Gruppe auf der Bühne tanzte. Aeron Fotheringham erstaunte das Publikum, als er mit dem Rollstuhl seinen berühmten Salto rückwärts mit einer 360° Drehung machte.

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Daumen hoch - trotz des Wetters. Raphael Menke (18) aus Trier muss sich in Sachen Berichterstattung für die Paralympics Zeitung...Foto: Thilo Rückeis

Das Wetter spielt nicht mit



Am Samstag fuhr ich nach Whistler, um dort die Alpin-Wettkämpfe zu verfolgen. Doch das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung. Alle Rennen wurden wegen Nebels abgesagt. Am Ende konnte ich "nur" zwei Interviews mit Gerd Schönfelder und Kevin Wermeester führen, zwei Sportlern des Alpin-Teams. Am Abend gab es die Eröffnungsfeier des Deutschen Hauses in Whistler, ein Treffpunkt für Athleten, Betreuer, Medienvertreter und Politiker.

Da auch am Sonntag meine Alpin-Rennen ausfielen, habe ich mir das Sledgehockey-Spiel Kanada gegen Schweden angeschaut. Kanadier sind verrückt nach Eishockey, das weiß man sobald man in Kanada landet. Aber die Atmosphäre bei solch einem Spiel ist einfach unvorstellbar. Tausende von Eishockeyfans die 45 Minuten lang mit Leib und Seele ununterbrochen ihr Team anfeuern. Es war genial.

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